Wir werfen einen Blick auf die Zulassungszahlen 2016, geben Reisetipps für Elektrofahrer und sprechen über den Faraday Future FF91.

 

Neuzulassungen und Kaufprämie

Seit etwa einem halben Jahr gibt es jetzt in Deutschland eine Kaufprämie für Elektroautos. Für reine Stromer gibt es 4.000 Euro – für Plug-In Hybride 3.000 Euro. Trotzdem gingen die Zulassungszahlen 2016 im Vergleich zum Vorjahr um etwa acht Prozent zurück. Insgesamt haben bis zum 1. Januar 2017 9.023 Neuwagenkäufer einen Antrag auf Förderung gestellt. Davon 5.129 reine Elektrofahrzeuge, 3.892 Plug-In Hybride und zwei Wasserstofffahrzeuge. Dabei hat die Renault ZOE mit 1.575 Anträgen ganz knapp die Nase vorne. Auf Platz zwei folgt der BMW i3 mit 1.567 Anträgen. Mit 2.232 Anträgen liegt Bayern auf Platz eins. Schlusslicht ist Bremen mit 56 Anträgen.

Insgesamt wurden 2016 in Deutschland 11.410 Batterieautos neu zugelassen. Bei den Plug-In Hybriden waren es 13.740 Neuzulassungen. Während die Plug-In Hybriden einen Zuwachs von 24 Prozent gegenüber 2015 erlebten, gingen die Neuzulassungen bei den Batterieautos um acht Prozent zurück. Spannender als die absoluten Zulassungen dürfte aber die im Frühjahr erscheinende Bilanz sein. Also wie viele Fahrzeuge insgesamt auf der Straße sind. Im Jahr 2015 wurden zwar 12.363 neue Elektroautos zugelassen – der Bestand an Fahrzeugen stieg in diesem Jahr aber nur um 6.518 Fahrzeuge.

Kia nutzt Gesetzeslücke und verzerrt Zulassungszahlen

Das hat verschiedene Gründe. 2015 lag der Kia Soul EV einsam an der Spitze der Zulassungsstatistik. Schaut man sich aber den Bestand an, passen die Zahlen nicht zusammen. Kia hat eine europäische Gesetzeslücke ausgenutzt und massenweise Kia Soul EV zugelassen, direkt abgemeldet und dann ins nicht zur EU gehörende Norwegen exportiert. Trotzdem wurden die Elektroautos auf Kias Flottenverbrauch in der EU angerechnet. Schaut man auf die Zulassungszahlen 2016 findet man kaum noch Zulassungsexzesse von Kia. Endgültige Aussagen über den elektromobilen Erfolg von 2016 können wir also erst treffen, wenn das Kraftfahrtbundesamt die Bestandszahlen zum 1. Januar 2017 veröffentlicht.

Der Markt für Elektroautos ist mit 0,2 Prozent am Gesamtmarkt noch sehr klein. So dass auch kleine Stückzahlen schnell die Statistik verzerren können. Händler- und Flottenzulassungen schlagen da schnell ins Gewicht. Im Laufe des Jahres 2015 endete auch das Autoleben fast aller Mercedes Benz A-Klasse E-Cell und vieler Smart ED 2. Da diese Fahrzeuge nur eine Testflotte waren, dürfen sie nicht an Privatkunden verkauft werden und der Hersteller muss sie „entsorgen“ – was in der Regel verschrotten bedeutet.

Neue Modelle können den Markt in Schwung bringen

Die Erwartung auf das Tesla Model 3, die Renault ZOE ZE40, den Opel Ampera-e und die nächste Generation des Nissan Leaf dürfte zudem für Kaufzurückhaltung gesorgt haben. Mit der ZOE ZE40 und dem Opel Ampera-e sind jetzt neben Teslas Luxusmodellen vernünftige Autos auf dem Markt, die die 300 Kilometer Reichweite Schallmauer durchbrechen. Reichweitenangst ist also nur noch was für pathologische Phobiker. Wir dürfen also gespannt sein, was die Zulassungen in 2017 machen.

Ich packe mein Elektroauto und nehme…

Wer heute schon ein Elektroauto hat kennt es: Eigentlich war es nur als Zweitwagen geplant. Weiter als bis zum Supermarkt oder mal 20 Kilometer zur Tante sollte das Auto überhaupt nicht zurücklegen. Schließlich kann man ja gar nicht weiter mit diesen Gurken fahren.

Die meisten wollen aber schon bald nicht mehr in den qualmenden, knatternden und rüttelnden Stinker einsteigen und viel lieber jede Fahrt mit dem Elektroauto machen. Aber was braucht es, wenn das Elektroauto den Point of safe return überschreitet und der Strom nicht mehr zurück nach Hause reicht?

Das richtige Ladekabel

Das allerwichtigste Utensil ist das Ladekabel für Typ2 Ladesäulen. Dieses sollte für die Ladeleistung des Autos passen. Ein Renault ZOE kann mit 22 Kilowatt laden, also sollte auch das Ladekabel dafür ausgelegt sein. Ein Nissan Leaf kann mit 6,6 Kilowatt auf einer Phase laden und hat ein Typ1-Anschluss. Da braucht es natürlich ein Typ2 (Ladesäule) auf Typ1 (Auto) Ladekabel, das auch bis 32 Ampere ausgelegt ist. Normalerweise sind die Kabel beim Fahrzeug dabei. Wenn es beim Gebrauchten fehlt, oder das falsche dabei ist, kann man in zahlreichen Internetshops inzwischen alle Sorten von Ladekabeln bestellen.

Optional sollte auf der großen Reise auch eine mobile Wallbox nicht fehlen. Hiermit reicht eine Schuko- oder Drehstromsteckdose zum Laden. Die bekanntesten Modelle sind sicher die crOhm-Box, der NRGkick oder der JuiceBooster. Der Vorteil ist, dass es bei Oma, am Hotel oder Ferienhaus eine Lademöglichkeit gibt, auch wenn dort keine Typ2-Ladesäule steht. Für CHAdeMO, CCS und 43 Kilowatt-Schnellladung braucht es kein Kabel, da Schnellladestationen immer ein festes Kabel angeschlagen haben.

Zur Grundausstattung eines Elektroautos gehören zudem die richtigen Ladekarten. Glücklicherweise braucht es heute nicht mehr wie noch vor drei Jahren dutzende verschiedene Karten. Dank Roaming kommt man inzwischen mit einer sehr überschaubaren Grundausstattung zurecht. Pflicht für alle sind dabei folgende Anbieter:

NewMotion (fka. TheNewMotion)

Ladekarte und App: Die Ladekarte gibt es gegen eine kleine Schutzgebühr. Ansonsten fallen hier nur beim Laden kosten an. Eine monatliche Grundgebühr gibt es nicht. Mit NewMotion kann man vor allem in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Großbritannien und Nordirland laden. Das Netzwerk wächst aber ständig und sukzessive kommen weitere Länder hinzu.

PlugSurfing

Schlüsselanhänger und App: Den Schlüsselanhänger gibt es gegen eine kleine Schutzgebühr. Ansonsten fallen hier nur beim Laden kosten an. Eine monatliche Grundgebühr gibt es nicht. Mit Plugsurfing kann man vor allem in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien und Frankreich laden. Das Netzwerk wächst aber ständig und sukzessive kommen weitere Länder hinzu.

Innogy eRoaming (fka RWE)

App: Die App heißt eCharge. Für den Vertrag kommen verschiedene Optionen in Frage. Wer nur gelegentlich bei innogy oder einer ihrer Partner (BEW, LEW, EWR etc.) lädt, fährt am besten mit dem Autostromvertrag der Bergischen Energie und Wasser. Dieser kostet keine monatliche Grundgebühr, dafür ist der Arbeitspreis mit 35 Cent pro Kilowattstunde etwas höher. Ab 72 Kilowattstunden im Monat lohnt sich schon die Autostrom-Flat der EWR für 25 Euro. Innogy eRoaming betreibt hauptsächlich Säulen in Deutschland. Zwar lassen diese sich auch mit PlugSurfing oder NewMotion aktivieren, die Kosten sind dann aber um ein vielfaches höher.

Den Weg zur Steckdose finden

Ladekabel, Ladekarte und Ladeapp sind also im Auto – nun heißt es die richtige Ladestation finden. Die Apps der obigen Anbieter helfen natürlich auch dabei, die richtige Ladestation zu finden. Das beste und umfangreichste Verzeichnis im deutschsprachigen Raum ist aber GoingElectric. Es bietet zahlreiche Filtermöglichkeiten und einen Routenplaner, der die Ladestopps mit einplant. Nutzerinnen und Nutzer halten das Verzeichnis aktuell und tragen Störungen ein. Ein Ladelog zeigt, ob ein Ladepunkt zuverlässig ist oder nicht. Wer GoingElectric nutzt, sollte nicht davor zurückscheuen, bei der Pflege des Verzeichnises zu helfen und zumindest erfolgreiche Ladungen und Störungen eintragen.

Haste mal ’ne Kilowattstunde?

Wer elektrisch unterwegs ist und in Hotels, Pensionen oder Ferienhäusern übernachtet, möchte natürlich auch, dass das Auto am Morgen vollgeladen bereit steht. Es gibt inzwischen ein paar Hotels und Gastwirte, die eine Lademöglichkeit regulär anbieten. Bei GoingElectric lässt sich sogar gezielt danach suchen. Die große Mehrheit ist bei dem Thema aber noch nicht wirklich sensiblisiert. Hier können die Elektrofahrerinnen und -fahrer helfen. Fragen Sie in jedem Hotel nach einer Steckdose für ihr Elektroauto – auch wenn sie gerade nicht wirklich welchen brauchen. Wenn Sie Strom bekommen, denken Sie daran ihn auch zu bezahlen. Nur so verstehen immer mehr, dass eine Stromtankstelle bald auch zu einer regulären Hoteldienstleistung wird. Die schnellen profitieren, weil sie Kunden mit Elektroautos anziehen wie das Licht die Motten.

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