Jana bastelt weiter am Bus, Jérôme fährt endlich Tesla und der Porsche Mission E lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen.

 

In dieser etwas verspäteten Folge geht es hauptsächlich um den Vortrag von Otmar Bitsche, dem Entwicklungschef bei Porsche in Sachen Elektromobilität. Leider durfte uns Herr Bitsche nach dem Vortrag kein Interview geben. So fassen Jérôme und Jana den Vortrag bestmöglich zusammen.

Schaffe, schaffe Bussle baue

Für die Verspätung der Folge gibt es einen guten Grund. Der Elektrocamper hat Jana vollends in Beschlag genommen. Außer arbeiten gehen, am Bus basteln und schlafen hat sie in den vergangenen Wochen nicht viel auf die Kette bekommen. Dafür geht es mit der Restauration des VW-Bus‘ voran. Wie beim Haus sanieren, erkennt man das ganze Ausmaß der Arbeiten erst während der Restauration. Ein aktuelles Update hat Jana auch auf der Kickstarter-Kampagne gepostet.

Horst! Ist! Da!

Jérôme hat endlich seinen Horst bekommen und ist vom Touranfahrer zum Teslafahrer geworden. Die ersten 1.000 Kilometer waren flux auf der Uhr. Zusammen mit dem ehemaligen Radiomoderator Achim Glück hat er auch schon ein erstes Video zu seinem Horst gemacht.

Porsche lässt Elektroherzen höher schlagen

Der Vortrag von Otmar Bitsch ist sicher ein Highlight in der Geschichte von Electrify-BW. Die Mäulesmühle war proppenvoll einige standen sogar im Windfang. Leider war es nicht möglich die Veranstaltung in die größere Komede Scheuer gegenüber der Mäulesmühle zu verlegen. Das Theater war regelrecht empört darüber, wie man nur fragen könne so etwas Profanes wie einen Vortrag in der Komede Scheuer abhalten zu wollen. Also sind wir alle ein bisschen enger zusammengerückt und lauschten gebannt Herrn Bitsches Vortrag.

Wobei um genau zu sein, stellte sich der Bann erst im Laufe des Vortrags ein. Zu Beginn des Vortrags gab es noch vereinzelte Frotzeleien – zu tief sitzt bei manchen die Enttäuschung über die Leistung deutscher Autobauer bei der Elektromobilität. Am Ende hatte Herr Bitsche dann wohl die meisten davon überzeugt, dass Porsche hier wirklich ernsthaft an einem richtigen Elektroauto, welches den Namen Porsche verdient arbeitet.

Klar ist, dass Porsche mit dem Mission E seine Hausaufgaben gemacht hat und genau die Strategie „des amerikanischen Wettbewerbers“ analysiert hat. Herr Bitsche vermied es möglichst den ominösen „amerikanischen Wettbewerber“ bei seinem richtigen Namen zu nennen. Doch eines war klar: Der Porsche Mission E wird eine angemessene deutsche Antwort auf das Tesla Model S. Die Superlativen von Tesla will Porsche noch toppen.

15 Minuten Ladezeit

Porsche wird wohl als erster Hersteller in der Serie auf 800 Volt Technik setzen, laden soll er dann mit bis zu 350 Kilowatt. Jérôme und Jana litten bei der Aufzeichnung des Podcast unter einer Spontanamnesie und waren sich nicht mehr sicher, ob 150 oder 350 Kilowatt. Wir haben noch mal nachgeschaut und es sind tatsächlich 350 Kilowatt. Porsche strebt mit dem Mission E eine Ladezeit von 15 Minuten an. Derzeit wäre man aber erst bei 17 Minuten, gesteht Bitsche in seinem Vortrag. Daneben soll der Mission E mit 11 oder 22 Kilowatt Drehstrom laden können und auch induktive Ladung mit 11 Kilowatt soll eine Option sein.

„Sie werden mit dem Porsche Mission E auf der Autobahn vollstrom fahren können, schnellladen und dann wieder vollstrom fahren, schnellladen und so weiter“, verspricht Bitsche. Thermische Probleme wie bei Tesla solle es bei Porsche nicht geben. Die Kühlung habe man soweit im Griff. Dafür setzt Porsche anders als Tesla auf den Permanentmagnetmotor, der sich einfacher kühlen lässt. Im Gegensatz zur Asynchronmaschine von Tesla muss hier der ruhendes Stator gekühlt werden. Das ist natürlich einfacher, als den drehenden Rotor im Motor zu kühlen. Wie Tesla setzt auch Porsche auf das Dual-Motorkonzept, mit je einem Motor auf der Vorder- und Hinterachse.

Henne wird mit Ei geliefert

Mit der bestehenden Schnellladeinfrastruktur mit 50 Kilowatt CCS, würde kein Porschefahrer und keine Porschefahrerin glücklich. Das Absatzszenario sähe bei der bestehenden Infrastruktur düster aus. Das hat auch Porsche erkannt. Zusammen mit Daimler, Volkswagen und Ford bauen sie daher ein 350 Kilowatt CCS Schnellladesystem in Europa und den USA. In Europa sollen bis 2020 400 Standorte mit vier bis acht Ladepunkten stehen. Ein Netz, das den Superchargern von Tesla in nichts nachsteht. „Sie werden mit Ihrem Porsche Mission E auch bis nach Finnland fahren können – ohne Probleme“, gibt sich Bitsche gewiss.

Dass dies kein Marketing Blabla mehr ist, und dieses Ladenetz wirklich kommt, wurde uns auch von anderer Seite zugetragen. Wie bei Tesla wird sich auch der Mission E selbstständig an den 350 Kilowatt-Ladesäulen identifizieren und automatisch abrechnen. Über die Tarife konnte der Entwickler Bitsche natürlich nichts sagen. Zum Preis für den Porsche Mission E sagte er nur, dass er etwas unter dem Panamera läge. Der Preis des Panameras liegt jedoch zwischen 90.000 und 199.000 Euro.

Wasserstoff? Nee, lass mal!

In der Fragerunde nach dem Vortrag, fragte jemand auch, ob Porsche mal über Wasserstoff nachgedacht habe. Nachgedacht habe man darüber schon und hat sich das genau angeschaut, antwortet Bitsche. „Aber schauen Sie sich mal die mittleren Leistungen einer Brennstoffzelle an, das reicht für uns nicht“, konstatiert Herr Bitsche, zudem sei in einem Porsche auf gar kein Platz dafür, das sei viel zu aufwendig.

Zu viele Details ließ sich der Chefentwickler am Ende aber nicht entlocken. So schwieg er auf die Frage nach der Zellchemie genauso wie auf die Frage nach dem Batteriehersteller – nur dass es keine Rundzellen sein, dürfe er sagen. Apropos Batterie: Das Thema Batterierecycling steht schon heute bei Porsche auf der Agenda. Wie andere Hersteller auch, hat Porsche erkannt, dass die Batterien viel zu viele wertvolle Rohstoffe enthalten, um sie nicht möglichst vollständig wieder zu recyceln, um neue Batterien aus dem Materialien zu bauen.

Auf die Straße soll der Mission E 2019 kommen. Vorbestellungen oder Reservierungen außerhalb des üblichen Vertriebswegs bei Porsche wird es wohl nicht geben. Hätte Herr Bitsche aber an diesem Abend ein paar Bestellformulare dabei gehabt, wäre sich der eine oder andere schwach geworden.

Flickr: Bilder vom Vortrag

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