Electrify-BW – Der Podcast #19: Kommt jetzt Öl aus der Ladesäule?

Ein BMW i3 lädt an einer ABB Schnellladesäule.
Ein BMW i3 lädt an einer ABB Schnellladesäule.

Shell übernimmt den Roaminganbieter NewMotion – das löst bei Jérôme und Jana gemischte Gefühle aus.

 

Die Meldung war ein Paukenschlag. Der Mineralölkonzern – der sich selbst lieber als Energiekonzern sieht – hat den Mobility Service Provider NewMotion übernommen. Damit gehört Shell nun der größte europäische Roaminganbieter für Elektroauto-Ladeinfrastruktur. NewMotion bietet europaweit Zugang zu 50.000 Ladepunkten. Auch in Deutschland stellt NewMotion einen Zugang zu den allermeisten Ladestationen zur Verfügung.

Jana und Jérôme diskutieren im Podcast die möglichen Vor- und Nachteile dieser Übernahme. Schließlich schwingen mit dem Namen Shell nicht nur unbedingt positive Konnotationen mit. Auch die Kommentatoren im Netz sind gespalten. Während die einen wie Daniel Bönnighausen von Electrive.net die Übernahme begrüßt, sehen andere diesen Coup kritisch. Letztlich muss die Zeit zeigen, was Shell mit NewMotion vorhat. Bedauerlich ist allerdings, dass kein deutscher Energieversorger bei NewMotion zugegriffen hat. Auch an dieser Stelle fließt die Wertschöpfung bei der Elektromobilität weiter ins Ausland.

To 3 or not to 3

Pünktlich zum Verkaufsstart der Weihnachtsartikel im Supermarkt packen unsere beiden Podcaster die Spekulatius aus und spekulieren über die angeblichen Produktionsprobleme beim Tesla Model 3. Es gibt Meldungen und Gerüchte, dass es gar nicht läuft. Statt der Maschine, die die Maschine baut, sollen die Model 3 derzeit noch in Handarbeit entstehen. Tesla ist dagegen fleißig bemüht zu große Bedenken zu zerstreuen. So postet Elon Musk fleißig Videos von der Model 3 Produktionsstraße.

Jérôme und Jana sind sich jedoch einig, dass Tesla sicher gut daran tut, die Produktion mit viel Sorgfalt hochzufahren. Schlimmer als eine verzögerte Auslieferungen wären gravierende Qualitätsmängel beim Massenmodel von Tesla.

Du kommst hier nicht rein!

Während hierzulande die meisten Politiker immer noch das schiefe Lied vom sauberen Diesel und dem Verbrennungsmotor als Zukunftstrend singen, geht es bei unseren Nachbarn zur Sache. Die Niederländer haben ein Neuzulassungsverbot für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030 beschlossen. In Paris dürfen ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr in die Stadt fahren. Neuzulassungen für Diesel soll es nach aktueller Planung der französischen Regierung schon ab 2024 nicht mehr geben.

Für heiteres Schmunzeln sorgt dagegen der wenig ambitionierte Plan der Europäischen Union ab 2030 eine Neuzulassungsquote für Elektrofahrzeuge von 15 bis 20 Prozent einzuführen. Die Chinesen machen ab 2020 schon mit einer Quote von 12 Prozent ernst. Dabei soll die Quote in China von Jahr zu Jahr wachsen. Dabei sind sich viele Experten einig, dass 2030 wahrscheinlich niemand mehr freiwillig einen Verbrenner kaufen möchte.

Sag mir wo die eGolfs sind, wo sind sie geblieben…

Jana gibt einen aktuellen Blick auf die Zulassungszahlen im September. Mit 2.247 kamen so viele neue Elektroautos auf die Straße, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit verzeichnet 2017 den vierten Rekordmonat. Insgesamt wurden 2017 schon 16.433 neue Elektroautos zugelassen und damit schon heute 44 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2016. Besonders stach wie schon im August der VW eGolf hervor. Mit 475 beziehungsweise 494 Einheiten schoss er an der ewigen Nummer 1 Renault ZOE vorbei. Leider sagt die öffentliche Statistik des Kraftfahrtbundesamts nichts darüber aus, wo die eGolfs zugelassen wurden. Im subjektiven Eindruck sehen die beiden nämlich nicht mehr eGolfs durch die Gegend fahren.

Lasst mal die Ladestation im Dorf

Zum Schluss regt sich Jana – wie in jeder Folge – noch ein bisschen auf. Der Grund ist das neue Tarifmodell der Bergischen Energie und Wasser (BEW). Schuld an ihrem hohen Blutdruck ist aber nicht die BEW, sondern manche Reaktionen im Netz auf das neue Tarifmodell. Bisher konnte man ohne monatlichen Grundpreis für 35 Cent pro Kilowattstunde (kWh) an allen AC-Säulen von innogy (früher RWE) und deren Partner laden. Die BEW ist damit bis heute einer der wenigen Anbieter, die eine kWh-basierte Abrechnung ohne monatliche Grundgebühr anbietet. Daher gehört der BEW-Autostromvertrag für viele Elektromobilistinnen und Elektromibilisten zur Standardausrüstung – auch wenn sie nur sporadisch bei einem innogy-Partner geladen haben.

Für die BEW entstehen dadurch Verwaltungskosten, die der Stromverkauf an den Ladesäulen nicht mehr decken kann. Daher haben sie sich entschieden einen quartalsweisen Mindestumsatz von 4,99 Euro einzuführen. Dafür gibt es 15 kWh – also 33 Cent pro kWh. Ab der 16. kWh kostet die kWh nur noch 30 Cent und ab der 50. 28 Cent. Für Viellader sinkt der Preis ab der 250. kWh im Quartal auf nur noch 25 Cent. Wer auch zu Hause seinen Strom von der BEW bezieht, bekommt nochmal fünf Prozent Rabatt auf seine Autostromrechnung.

Nun haben sich viele über diesen Jahresbeitrag von mickrigen 20 Euro – den man sogar noch für einen guten Preis pro kWh verladen kann – aufgeregt. Und darüber hat sich dann Jana aufgeregt. Warum Sie das Tarifmodell der BEW verteidigt hört ihr im Podcast.

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Jana und Jérôme auf Twitter

(13) Kommentare

  1. Hallo Jana und Jérôme,
    als treuer Hörer eures Podcastes möchte ich eine kleinen Beitrag zum Thema Energieverbauch von Lkw machen. Das Ergebnis meiner Kurz-Recherche ist etwas überraschend aber erklärt, warum bei Lkw gelegentlich mal ein Reifen abbrennt.
    Ein 40t verbraucht ca. 32l Diesel/100km = 333kWh/100 km(Spritmonitor). Die Energie (Brennwert) teilt sich etwa so auf
    56% Abwärme durch Abgas und Wärmestrahlung
    44%Für den Antrieb
    Diese 44% teilen sich weiter so auf:
    20% Rollwiderstand !!
    18% Luftwiderstand
    3,5% Nebenaggregate
    3% Antriebsstrang (Reibung)
    Wenn der Antrieb elektrisch erfolgt, dann sieht es etwa so aus:
    Energiebedarf / 100km sind 146,5 kWh
    Mit 10% Verlusten im Antrieb sind das 161 kWh/100km aus der Batterie
    Rollwiderstand: 73,2 kWh/100 km
    Luftwiderstand : 65,9 kWh/100 km
    Nebenaggregate: 12,8 kWh/100 km
    Antriebsstrang: 11,0 kWh/100 km
    Welcher Anteil dabei durch die Bremsen verloren geht, kann ich allerdings nicht abschätzen. In der Realität dürfte der Verbrauch durch die Rekuperation dadurch etwas niedriger liegen.
    Wenn mal ein Kollege vom Daimler einen Vortrag bei euch dazu macht, kann der das ja evtl. klären.

    Auf jeden Fall ist da ein erheblicher Beitrag zur Verringerung von Lärm und Abgas möglich. Und man braucht nicht beim Adblue Bescheissen wie das scheinbar gang und gäbe ist bei den (vor allem ausländischen) Spediteuren .

    VG Matthias

    1. Hallo Matthias,

      vielen Dank, dass du das mal ausgerechnet hast. Im Technikmuseum Wien gibt es eine Experimentierhalle. In der kann man Lkw-Reifen über Beton oder Eisenbahnräder über Schienen ziehen.

      Ich musste mich mit meinem Gewicht schon ganz schön reinhängen, um die Lkw-Achse bewegen zu können.

      Noch ein Argument mehr, die Güter im Transit vermehrt auf die Bahn zu bringen. Die fährt schon elektrisch und ist viel effizienter 🙂

  2. Wie immer informativ und unterhaltsam 🙂
    Liebe Grüße vom Niederrhein (MG)… Ladeparadies NL in der Nähe 😀 Leider als ALG 2 – Bezieher ein wenig aussen vor. Als „Auto-verrückter“ (ehemals selbständiger Kurierfahrer) brenne ich für das Thema.

    1. Hallo René,

      es freut uns, dass du als Auto-verrükckter auch schon elektrifiziert bist. Beste Grüße zurück nach Mönchengladbach.

  3. Wenn ich Shell wäre lasse ich NewMotion idealerweise ausbluten und sterben und bringe eine totale Verwirrung in den Ladestationsmarkt. Jeder der NICHT auf E-Mobilität umsteigt ist ein guter Kunde.

    Die meisten ICCBs laden nicht in Verbindung mit einem Notstromaggregat mangels Erde. Man müsste einen Erdspiess dabei haben oder eine Klemme an eine Leitplanke machen.

    Vor 2020 wird man hier kein M3 ohne Kinderkrankheiten kaufen können. 200.000 werden stornieren und den 60kWh LEAF kaufen. Man fragt sich wie Tesla 200.000 x 1.000US$ zurückzahlen will?

    Weiter so kritisch mit Eurem tollen Broadcast.

    1. Hallp p.hase,

      sicher werden einige ihre Reservierung zurückgeben. Dafür kommen andere nach. Und nicht alle Reservierer sind rationale Emobilisten wie du, die sehen, dass sie mit einem 60 kWh-Leaf genauso gut bedient wären.

      Hier spielt auch der iPhone-Effekt mit. Es gibt bessere Smartphones als Apples-iPhone – das hindert aber viele nicht daran, sie trotzdem zu kaufen.

      Letztlich wird der Markt groß genug für Nissan, Tesla und andere sein. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird schnell weiter steigen.

  4. Als e-Auto Fahrer der nur in der Region fährt und nur sehr gelegentlich mal an eine öffentliche Ladestation fährt, wenn er muss, ist dieses Abrechnungsmodell einfach ungeeignet.

    Es MUSS eine Abrechnungsmethode geben, bei der jeder e-Auto Fahrer mit einem üblichen Bezahlverfahren wie EC-Karte, gerne auch NFC daran oder Visa-Karte oder meinetwegen Einwurf von eine paar Euromünzen laden kann.
    So wie ich die neue Ladestellenverordnung verstanden habe, ist dies doch eh bald Vorschrift.

    Dabei darf dann der Tarif ruhig ein klein bisschen höher sein als für „Stammkunden“ mit eigener Karte. Aber ich kann doch nicht für eine Deutschlandrundfahrt oder gar Europa für jeden Energieversorger eine eigene Karte mit Grundgebühr oder Mindesverzehr kaufen. Das ist einfach ein Schlag gegen die E-Mobilität.

    1. Hallo Wolfgang,

      du hast ja mit NewMotion und Plugsurfing Zugang zu zum Beispiel EnBW oder innogy/BEW – da zahlst du keine Grundgebühr, aber höhere Ladegebühren.

  5. Hallo ihr Zwei,

    ich möchte einmal kurz meine Gedanken zum Laden an Tankstellen loswerden.

    Ich persönlich habe mir kein E-Auto gekauft, um wieder in anderer Form mit den Betriebsstoffen eines konventionell angetriebenes Fahrzeug in Kontakt zu kommen. Ich habe zwei Jahre lang einen Opel Ampera gefahren. Mit dem musste ich ungefähr alle drei- bis vier Monate an die Tankstelle. Wenn man sonst sein Fahrzeug mit einem Stecker lädt, fällt einem auf einmal der sehr starke Geruch bei einem Betankungsvorgang auf. Auch die Rückstände an den Händen werden wesentlich präsenter, wenn es kein Alltag mehr ist, einen Tankrüssel anfassen zu müssen. Beim Betanken des Amperas habe ich deshalb immer etwas Abstand gesucht und den Aufenthalt an einer Tankstelle so kurz wie möglich gehalten. Das war für mich auch der Hauptgrund dieses Fahrzeug wieder zu verkaufen und auf ein BEV zu setzen.

    Sensibilisiert durch diese Erfahrung habe ich mich ein wenig mit dem Thema „Benzol“ beschäftigt. Dieser Stoff ist als krebserregend eingestuft und in der Nähe von Tankstellen in höherer Konzentration in der Atemluft vorhanden. Nach einem normalen Betankungsvorgang ist das Benzol noch nach Wochen durch eine Atemanalyse feststellbar. Das bedeutet für mich: Ich werde Ladesäulen an Tankstellen auf jeden Fall vermeiden. Und mich auf gar keinen Fall dort noch länger als üblich in einem Bistro aufhalten und irgendwelche potentiell belasteten Lebensmittel zu mir nehmen.

    http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/benzol

    Sonst bin ich aber mit vielen Eurer Ansichten konform und verfolge Eure Beiträge mit Vergnügen. 😉

    Viele Grüße von der Ostsee.

  6. Hallo Jana und Jerôme,.

    in dieser Folge habt ihr einen fetten Widerspruch drin: Einerseits der Appell, nach Chancen und Lösungen zu schauen, andererseits die pauschale Schelte für Mineralöl- / Energiekonzerne! BP war schon vor vielen Jahren bei Photovoltaik-Modulen dabei und in Spanien gibt es Repsol, die 50:50 mit der baskischen Energiebehörde EVE zusammen das IBIL-Netz betreiben. In Summe sind das etwa 80 Ladestationen, die meisten davon als 50kW-Tripplecharger an Repsol-Tankstellen. Nur das mit dem Roaming müssen die Spanier noch lernen …. Ich traue Shell durchaus zu, nach dem Beginn als Service-Provider auch massiv eigene Ladesäulen an den Tankstellen zu installieren.

    Vielen Dank für die Erwähnung der Afrika.Tour. Das Live Interview mit dem Brunch in Nagold lässt erahnen, dass allein die RIVE Maroc genug Stoff für eine komplette Podcast-Folge bieten würde 😉

  7. Hallo ihr Beiden,
    ich hören euren Podcast gern, schöne Mischung aus Information und Unterhaltung.

    ich fahre jetzt fast 5 Monate elektrisch, hatte mich vorher nur wenig mit Ladeinfrastruktur beschäftig, da ich mir einen Wallbox anschaffen wollte. Im Umkreis von 300m habe ich 3 Lademöglichkeiten mit 6 Ladepunkten. 2 Ladestellen sind gratis, beim dritten 20 kW DC und 22 kW AC fallen Kosten an. Über NewMotion (Ladenetz.de) waren es bei DC 0,56 Cent/KW. Nicht billig aber für ein Grund Kunde über meinen Energieanbieter zu werden. Jetzt wurde diese Ladestelle auf Zeittakt umgestellt 0,40 €/Min. Meinen e-up könnte ich mit 40 kW DC laden. Akkukapazität ist 18,7 kWh. Bei der 20 kW Läule dauert eine Vollladung von 0 au 100 % ca. 75 min, die letzten 10 % gehen ja immer langsamer. Damit kommen die Kosten auf 1,60 €/kWh. Im Vergleich dazu sind die Preisstufen von BEW geschenkt.

    Ich finde bei bei den Ladetarifen sollte die Bundesnetzagentur und auch die Verbraucherschützer mal genauer drauschauen. Zeittarife sind total intransparent. Wenn die Ladeleistung aufgrund von Wärmeproblemen runtergeregel wird, zahlt der Kunden drauf. Diese Preise sind Wucher.

    LG Axel

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