Electrify-BW – Der Podcast #2: Alles rund ums Laden

Eine typische Schnellladesäule mit CCS, AC und CHAdeMO-Anschluss.
Eine typische Schnellladesäule mit CCS, AC und CHAdeMO-Anschluss.

CHAdeMO, CCS oder AC? – Wir bringen Ordnung ins Ladechaos.

 

In dieser Folge geht es darum, wie der Strom ins Auto kommt. Wir geben dabei Antworten auf die wichtigsten Fragen und erklären die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ladesystemen. Dabei gehen wir auf das asiatische CHAdeMO-System, das europäische CCS und die Schnellladung mit Wechselstrom ein. Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme? Warum gibt es überhaupt verschiedene System und welches System wird sich am Ende durchsetzen?

Jérôme Brunelle und Jana Höffner versuchen ein bisschen Ordnung in die unübersichtliche Welt des Ladens zu bringen. Aber wer es bisher geschafft hat, keinen Diesel in seinen Benziner zu schütten, wird auch mit den verschiedenen Ladesteckern zurecht kommen.

Typ2 Wechselstrom

Typ 2 (Dreiphasen-)Wechselstrom mit bis zu 43 Kilowatt. Der Typ 2-Stecker ist der europäische Standard-Stecker für Elektrofahrzeuge. An einer Typ 2 Ladesäule mit 43 Kilowatt Leistung ist ein Renault ZOE in 30 bis 60 Minuten wieder vollgeladen.

CCS

Combined-Charging-System (CCS) ist der europäische Schnellladestandard. BMW, VW, Opel und Hyundai nutzen diese Technik. CCS kann mit bis zu 50 Kilowatt Gleichstrom laden. Damit sind die Fahrzeuge in etwa 30 Minuten wieder vollgeladen. Theoretisch sind bei CCS heute Leistungen bis 150 Kilowatt möglich. Derzeit gibt es jedoch kein Fahrzeug, das mit dieser Leistung laden kann. Für 2017 ist der Bau eines Korridors von den Niederlanden bis Österreich mit 350 Kilowatt CCS-Ladesäulen geplant. In Deutschland gibt es zurzeit knapp 600 CCS-Ladesäulen (Österreich: 140, Schweiz: 100). Es kommen aber wöchentlich neue hinzu.

CHAdeMO

CHAdeMO ist der asiatische Schnellladestandard. Diesen Stecker verwenden unter anderem Nissan, Mitsubishi und Kia. Dieser Standard ermöglicht es mit Gleichstrom mit Leistungen bis 100 Kilowatt zu laden. Auch damit sind die Autos in gut 30 Minuten wieder vollgeladen. Bis auf den Kia Soul EV, der mit maximal 62 Kilowatt laden kann, laden heute alle CHAdeMO-Fahrzeuge mit maximal 50 Kilowatt. Auch CHAdeMO plant Leistungen bis 350 Kilowatt. In Deutschland gibt es derzeit etwa 450 CHAdeMO-Ladesäulen (Österreich: 130, Schweiz: 115). Auch hier kommen wöchentlich neue Stationen hinzu.

Weltweit gibt es über 13.000 CHAdeMO-Ladesäulen. Mit knapp 7.000 stehen über die Hälfte in Japan. Daher liefern die deutschen Hersteller in Japan ihre Elektrofahrzeuge mit CHAdeMO aus.

Moderne Schnellladesäulen bieten in der Regel alle drei Ladesysteme an. So können alle modernen Elektroautos schnell wieder ihren Akku füllen.

Tesla Supercharger

Supercharger heißen die Schnellladesäulen von Tesla. Sie können derzeit mit maximal 145 Kilowatt den Akku laden. Damit kann das Auto in 30 Minuten genug Strom für 220 bis 270 Kilometer laden. Da es zur Markteinführung des Model S kein genormtes Ladesystem gab, das die für Tesla erforderlichen Leistungen zur Verfügung stellen konnte, hat Tesla ein proprietäres System entwickelt. In Europa, Asien und Ozeanien nutzt Tesla dabei den Typ2-Stecker. In den USA benutzt Tesla einen selbst entwickelten Stecker. Auch Tesla plant die Supercharger auf bis zu 350 Kilowatt Leistung aufzurüsten und damit die Ladezeiten deutlich zu verkürzen.

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(7) Kommentare

  1. Super Podcast und natürlich muss ich den in meinen Netzwerken teilen, versteht sich von selbst. Ein super Überblick über die verschiedenen Ladearten, Anschlüsse und die verschiedenen Problemen und Herausforderungen. Denke den Typ 1 hat man zurecht rausgelassen.

  2. Zuhören macht Spass. Ihr macht das prima!. Falls Jana jedesmal per skype zugeschaltet ist: Mach sie 2-3dB lauter, im Vergleich Deiner Stimme kommt sie irgendwie „aus dem Hintergrund“.

    1) Ich glaube mit Ladesäulen in Innenstädten lässt sich nie und nimmer Geld verdienen. Ich fahre seit Juli’16 einen i3 und habe noch nie eine Ladesäule benötigt. Alle meine Fahrten enden an einem Privathaushalt mit Steckdose, meistens mein eigener. Nie haben mir die (jetzt im Winter nur) 100km Reichweite nicht gereicht. Falls die Strecke größer ist, fahre ich auch elektrisch: Mit der Bahn.

    2) Es gibt 15 Mio Eigenheime in Deutschland (de.statista.com) . Die haben alle kraft Baugesetzgebung einen Stellplatz oder eine Garage. Wenn 50% der Besitzer gut betucht sind und einen Zweitwagen fahren, dann gibt’s hier einen Markt von 6 Mio Fahrzeugen, die ohne irgendeine Einschränkung und ohne dass zusätzliche Ladesäulen gebaut werden müssten, auf E-Fahrzeug umstellen könnten. Verteilt man das auf 10 Jahre, dann sind das 600.000 pro Jahr, da sind wir der 1Mio E-Fahrzeuge schon ziemlich nahe. Wir sollten viel öfter darauf hinweisen, die Pressemeldung „Einführung der E-Mobilität verzögert wegen fehlender Ladesäulen“ stark Öl-Lobby-getrieben sind. In der Praxis eines Zweitwagens ist das kein Thema.

    3) Ob wir bei Tesla oder ikea kostenlos tanken können, kann doch nicht ernsthaft ein Argument sein. „There is no free lunch“ ist der Basisspruch der Marktwirtschaft. Irgendwer bezahlt den Strom, der Teslafahrer über den Kaufpreis und der ikeakunde über den Köttbullar… und weshalb sollte ein E-Autofahrer Strom geschenkt bekommen?

    4) Für die Überlandfahrten braucht es dann das Schnellladenetz, das ja über die nächsten 10 Jahre mit Sicherheit entstehen wird. In der gleichen Zeit werden die Akkus nochmal Faktor 2-3 besser und dann ist die Welt besser als sie je war 😉

  3. Ich habe erst heute den Podcast gehört, egal, er ist ja nicht veraltet 🙂
    Erwähnt wurde auch die Malesse mit der Bezahlung des Stroms. Neben der guten Idee, es so zu machen wie Tesla und die Kundeninformationen schon im Auto zu verdrahten, wurde auch die IC-Karte genannt. Ihr gang Jana aber kaum eine Chance, da ja vor Ladebeginn der Endbetrag noch nicht bekannt ist.
    Das aber ist nun kein Grund, die IC-Karte außen vor zu lassen. Es gibt schon seit langen im Verbrennerbereich Tankautomaten, die mit IC-Karte bedient werden. Es wird vor Tankbeginn ein Höchstbetrag (meistens 80€) festgelegt. Abgebucht wird dann der tatsächlich genutzte Betrag. Mit einer Quittung kann ich das belegen, falls es mal zu Unstimmigkeiten kommen sollte. Ist mir aber während meiner inzwischen vergangenen Verbrennerzeit nie passiert.
    Ich halte die Möglichkeit, entweder automatisch über das Auto oder aber mit bekannten und anerkannten Zahlungsmethoden wie der IC- oder Kreditkarte zahlen zu können, für sehr wichtig.
    Wenn ich heute einen interessierten Menschen erzähle, dass wir mit Roaming, Ladekarten oder Smartphone-Apps herumhantieren, aber nicht mit IC-Karte zahlen können, gucken die mich ganz groß an. Zurecht finde ich.
    Die Ladekarten müssen über kurz oder lang verschwinden, sonst wird es schwierig mit der breiten Akzeptanz.

  4. Das Tesla Lade-System ist meiner Meinung nach dem Europäischen Standard weit überlegen.
    Der Tesla Stecker sieht aus wie ein Typ2, kann aber Wechsel- und Gleichstrom mit hohen Stromstärken laden.
    Eurostecker und CCS-Ingenieure: so sollte es sein.

    1. Hallo Caber,
      du hast Recht, dass die Lösung von Tesla mit dem Typ2-Stecker ziemlich clever ist. CCS hat eben den Vorteil, dass im Fahrzeug keine Umschaltung zwischen dem Wechsel- und Gleichstrom-Weg stattfinden muss.

  5. Klasse gemacht ihr beiden! Danke! Ich selber nutze die ZOE (22KWh) als reinen Zweitwagen für die Fahrt zur Arbeit (34Km/d) und freue mich jeden Morgen auf den vorgeheizten Wagen. Geladen wird die ZOE mit der 22KW Wallbox von Mennekes. Für mich war dieser Podcast einfach nur informativ und ergänzt mein Wissen rund um das Thema Elektromobilität. Wie ihr ja wisst ist man als Elektrowagenfahrer oft gefordert auf Fragen zum Thema zu antworten.

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