Electrify-BW – Der Podcast #21: Der Beef-Träger kommt

Professor Johan Tomforde beim Vortrag in der Mäulesmühle.
Professor Johan Tomforde beim Vortrag in der Mäulesmühle.

VW findet plötzlich den Diesel doof, wir lernen die richtigen Vater des Smarts kennen, die Schweden bauen wieder „Autos“ und Jérôme und Jana überziehen gewaltig.

 

Die nachfolgenden Podcasts verzögern sich um mehrere Stunden. Die letzte Folge liegt so lang zurück, dass diese Folge pickepacke voll ist. Lacht Jana nach etwa 40 Minuten über andere länger Podcasts werden es am Ende auch fast drei Stunden. Aber es gab auch jede Menge zu besprechen.

VW sagt zum Abschied laut Servus

„Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass wir Sinn und Zweck der Dieselsubventionen hinterfragen sollten“, sagte der VW-Manager Matthias Müller dem „Handelsblatt“. „Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden.“ Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Nach der Aufzeichnung ließ sich die FDP-Generalsekretärin noch dazu hinreißen, Müller einen Diesel-Judas zu nennen. Für Jana ist aber schon vorher klar gewesen. Meinen wir es mit Mobilitätswende und Klimaschutz ernst, müssen alle Subventionen auf den Prüfstand. Denn der Staat darf das, was unsere Lebensgrundlagen bedroht nicht auch noch mit Steuergeldern fördern. Vielmehr muss das Geld in nachhaltigere Technologien fließen.

Daimler glaubt, noch viel Zeit zu haben

Der Daimler Personalvorstand Wilfried Porth sieht keinen schnellen Handlungsbedarf: „Richtig ist, dass ein sehr langer Übergang stattfinden wird, dessen Dauer und Intensität im Moment keiner vorhersagen kann“, sagt er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die konventionelle Antriebstechnologie werde es noch eine ganze Zeit geben, der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge werde wachsen. „Und vielleicht wird es auch eine dritte oder vierte Variante geben, an die man heute noch nicht denkt oder die nicht so im Fokus steht.“

Für Jana und Jérôme klingt das nach der immer wieder beschworenen Technologieoffenheit. Denn auch der VDA bringt in jüngster Zeit immer wieder die eFuels – also aus Strom und Luft gewonnene Kraftstoffe – ins Spiel. Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass die eFuels bei der individuellen Mobilität mehr Probleme machen, als sie lösen können.

Vaterschaftstest beim Smart (ED)

Für viele ist Nicolas Hajek der Vater des Smart. Doch wir haben seinen wirklichen Vater kennengelernt und erfahren, dass er schon seit 1969 mit er Idee eines elektrischen Minicars für die Stadt Schwanger ging. 1997 kam es zu Geburt des Smart, damals noch mit Verbrennungsmotor. 16 Jahre später, bekam er dann auch einen Elektromotor in Serie verbaut und soll ab 2020 nur noch elektrisch sein. Der Vater heißt Professor Johan Tomforde und war zu Gast in der Mäulesmühle. Nach seinem spannenden Vortrag hatte Jana Gelegenheit den Vater des Smart zu interviewen.

Zu Wasser

Das Elektromobilität nicht nur auf der Straße funktioniert, zeigt eine Moselfähre bei Wasserbillig in Rheinland-Pfalz. Eine neue elektrische Fähre hat dort eine 40 Jahre alte Dieselfähre abgelöst. Sie spart im Jahr 14.000 Liter Diesel und damit spart sie knapp 37 Tonnen CO2 im Jahr ein – vorausgesetzt, sie fährt mit Ökostrom. Jana und Jérôme sind sich einig: Bitte mehr davon! Auf das Thema hat uns unser Hörer Boris Ruth aufmerksam gemacht.

Twizy in geil?

Mit dem Unity One melden sich die Schweden als Autobauer zurück. Das optisch etwas gewöhnungsbedürftige Gefährt schickt sich an, die urbane Mobilität neu zu definieren. Dabei geht das Konzept noch konsequenter den Weg des Smartphones auf Rädern. So sehr sogar, dass der Unity One nicht beim Autohändler, sondern beim Elektroriesen MediaMarkt vertrieben werden soll. Der Unity ist ein perfektes Beispiel, wie sehr sich die Automobilindustrie in den kommenden Jahren verändern wird. Denn um ein Auto zu bauen, braucht es nicht mehr über 100 Jahre Know-how in Motorentechnik. Es braucht eine gute Idee, ein cleveres Geschäftsmodell und einen zuverlässigen Lieferanten für den Antriebsstrang. Vielleicht sehen wir in Zukunft Fabriken in denen ganz verschiedene Fahrzeuge unterschiedlicher Unternehmen vom Band laufen.

Sicher ist nur, dass in Sachen Automobilbau nichts mehr sicher ist.

Elektromobilität für (fast) jedermann

Ein Elektroauto ist viel zu teuer für mich! Das ist oft das Totschlagargument gegen ein Elektroauto und warum man sich doch wieder ein Verbrenner gekauft hat. Doch ein Blick auf einschlägige Gebrauchtwagenbörsen im Internet zeigt, dass der Einstieg in die Elektromobilität inzwischen auch für kleineres Geld zu haben ist. Das Angebot gebrauchter Elektroautos wächst fast täglich. Schon für 5.000 Euro gibt es kleine Elektroflitzer, die vor allem als Zweitwagen taugen. Klassiker wie die Renault ZOE sind in Frankreich schon für 8.000 Euro zu haben. Ein Peugeot iOn mit Batterie gibt es schon ab 7.000 Euro.

Die andere Seite der Medaille ist, dass einige Elektroautos sich ziemlich wertstabil zeigen.

Der Beef

In der vergangenen Folge haben Jana und Jérôme einen Blick auf einen Techblog geworfen, der ihrer Meinung nach eine einseitige Berichterstattung über Tesla und Elektromobilität macht. Das hat zu einem Artikel geführt, in dem der Blog nicht nur auf die Vorwürfe reagiert, sondern leider unsere beiden Podcaster persönlich angreift und sie in die Nähe „Lügenpresse“ schreiender Pegidisten rückt. Wer Jana und Jérôme kennt, weiß, dass keine Unterstellung absurder sein könnte. Beide nehmen zu den Vorwürfen Stellung. Da es nichts bringt, immer nur übereinander zu reden, haben beide Seiten sich darauf verständigt miteinander zu reden. Leider hat es aus Termingründen in dieser Folge noch nicht geklappt. Aber wir bleiben dran!

Wenn du noch einmal Tesla sagst…

Manche Hörerinnen und Hörer beschweren sich zu Recht, dass Jérôme und Jana nicht aufhören können über Tesla zu sprechen. Wobei es auch schwer ist, bei dem Thema um den heißen Schlitten drumherum zu sprechen. Also gab es in dieser Folge mit einem Rückblick auf den Tesla Semi und den neuen Tesla Roadster nur ein Tesla-Thema. Trotzdem kamen die beiden nicht umhin, das T-Wort zu vermeiden. So mussten sie in dieser Folge für jedes Mal Tesla oder Elon Musk einen Euro spenden. Am Ende kam ein kleiner Beitrag zusammen, um das Kinderhospiz in Stuttgart zu unterstützen. Electrify-BW legt noch fünf Elektroauto-Quartette drauf.

Artikelbild: Thomas Igler

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(6) Comments

  1. Hallo Jérôme,
    ich habe ein Twike. Allerdings wohne ich in Mainz, also nicht ganz um die Ecke… wenn du mal in der Gegend bist, sag‘ mir Bescheid.
    VG Gregor

  2. Ich selbst stehe der E-Mobilität generell positiv gegenüber und ich verfolge diverse Kanäle zur E-Mobilität, ich habe aber dennoch den Eindruck, dass viele Podcaster und Youtuber ziemlich tief in ihrer Filter-Blase feststecken (wie möglicherweise jeder, der sich sehr tief mit einem Thema beschäftigt und irgendwann eine gewisse „Betriebsblindheit“ hat?).

    Ich finde es z.B. immer faszinierend, mit welcher Vehemenz Ladepausen schöngeredet werden. anstatt einfach einzugestehen, dass die Technik hier momentan noch Defizite hat. Natürlich ist es richtig, dass man bei längeren Fahrten auch mal eine Pause machen sollte und man eine Tasse Kaffee trinken kann während das Fahrzeug lädt. Ja, das mag gehen, aber vielleicht möchte man die Pause auch an einer anderen Stelle machen wo eben keine Ladesäule steht. Z.b. möchte man sich vielleicht im Sommer an einen nahen See setzen und dort entspannen. Lange Ladezeiten sind ein Eingriff in die Freiheit des Fahrers (und der Mitfahrer), das kann man drehen und wenden wie man möchte und für manche Menschen ist das kein Problem, für andere dagegen schon.

    In dieser Folge vermutet ihr, dass die schlechten Kritiken daher kommen, dass die Journalisten vielleicht nicht die Lade-Apps kennen. Das mag sein. Ich habe schon von einigen E-Mobilisten gehört, dass sie einen ziemlichen Spaß daran haben, sich Strecken mit passenden Ladepunkten zu planen und ich glaube, ich kann das auch nachvollziehen. Allerdings muss man auch ehrlicherweise sagen, dass die meisten Menschen darauf keinen Nerv haben. Die wollen keine speziellen Apps benutzen (vielleicht mögen sie schon generell keine Smartphones) und ihre Route nach den Ladepunkten planen.

    Ohne spezielle Planung fallen aber Ladepunkte und Pausenzeiten des Fahrers möglicherweise nicht zusammen. Gleiches gilt für E-LKWs. Die sind momentan – glaube ich – froh, wenn sie sich überhaupt irgendwo hinstellen können und dabei nicht in der Einfahrt zur Raststätte stehen müssen weil alles überfüllt ist.

    Die Ladekarten sind auch so ein Thema für sich, die selbst erfahrene E-Mobilisten offenbar gelegentlich zum Verzweifeln bringen wenn Säulen abhängig von der benutzten Karte unterschiedliche Tarife abrechnen. Das wird ja auch oft kritisiert, aber trotzdem letztlich hingenommen, vermutlich weil man wenn der Akku leer ist keine andere Wahl hat? Richtig aus Verbrauchersicht wäre ja, manche Geschäftsmodelle direkt zu boykottieren damit sie gar nicht erst Fuß fassen. Somit hinkt das Beispiel mit dem Handy. Dort brauche ich nur eine SIM-Karte und kann damit deutschlandweit oder gar weltweit telefonieren.

    Nächste Woche läuft ein Vortrag zur Ladeinfrastruktur, auf den ich schon extrem gespannt bin: https://events.ccc.de/congress/2017/Fahrplan/events/9092.html
    Solche Themen hätten es sicherlich verdient, tiefer hinterfragt zu werden. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass der Datenschutz bei Tesla mal irgendwo tiefer thematisiert worden wäre (Was sammeln die Autos an Daten über ihre Nutzer, was leitet Tesla daraus evtl. für Profile ab und welche konkreten Auswirkungen hat das, z.B. wenn kommerziell genutzte Autos keine Supercharger mehr benutzen dürfen sobald sie – auch als Gebrauchtwagen – weiterverkauft wurden).

    Aus meiner Perspektive, wo ich beide Seiten glaube verstehen zu können, habe ich den Eindruck, dass viele E-Mobilitäts-Podcaster/Youtuber als Prediger wahrgenommen werden, die die Menschen missionieren wollen. Ich denke, dass die meisten Podcaster/Youtuber dies weit von sich weisen werden weil es nicht ihrer Selbstwahrnehmung entspricht und ich glaube auch, dass sie es nicht so meinen. Aber jede Kommunikationsbeziehung hat bekanntlich zwei Seiten und es zählt nicht nur wie es gemeint ist, sondern auch wie es verstanden/empfunden wird.

    Wenn dann auch Verbrenner-Autos (in dieser Folge sogar Hybrid-Fahrer) regelmäßig als „Stinker“ und dergleichen bezeichnet werden (was ja objektiv auch stimmen mag – das hängt letztlich vom Strommix ab; es geht hier eher um den gegenseitigen Respekt) ist es kein Wunder, wenn viele Verbrenner-Fahrer schon aus Trotz eine Anti-Haltung einnehmen.

    Ich kenne die Mobile-Geeks nicht, somit kann ich den Sachverhalt nicht beurteilen. Ich fände es aber generell eine super Idee, wenn Podcaster öfters mal Kritiker in ihre Sendungen einladen würden um zu diskutieren. Das würde glaube ich beiden Seiten gut tun: Den Podcastern weil sie gelegentlich mal „geerdet“ werden, und den Kritikern, weil sie ihre Kritik in den Podcasts wiederfinden und die Podcasts dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen.

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