Electrify-BW – Der Podcast #22: Das letzte Abenteuer

Mit dem ZOE nach Afrika, Hoffnung an der Ladesäule und warum man sich den neuen Tesla Roadster reserviert.

 

In der ersten Ausgabe im neuen Jahr haben unsere Podcaster Jana und Jérôme einiges aufzuholen. Wer zwischen den Folgen Sehnsucht nach Jérôme bekommt, kann ihm jetzt auch bei seinen elektromobilen Abenteuern auf YouTube begleiten. Auch wenn es ihn jetzt ins Rampenlicht und vor die Kamera zieht bleibt Jérôme dem Podcast treu. Aber es gibt so viele Geschichten zu erzählen, dass es einfach nicht mehr in den Podcast passt.

Irgendwo in Afrika

Im Interview berichtet Michael Bär von seinem Abenteuer mit der ZOE in Afrika. Für die Rive Maroc ist er gemeinsam mit seiner Freundin in einer 22 Kilowattstunden ZOE bis nach Afrika gefahren und dann 1.600 Kilometer durch Marokko. Damit hat Michael Bär die Grenzen für das vermeintliche Stadtauto wieder ein bisschen verschoben. Er erzählt von großen Plänen die Marokko in Sachen erneuerbaren Energien und Elektromobilität hat. Er malt das Bild von einem Land, das sich mit großen Schritten auf das postfossile Zeitalter vorbereitet. Beim Zuhören bekommt man Lust, das E-Auto zu packen und sich ins Abenteuer zu stürzen.

Sein Bericht zeigt aber auch ein Land, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen postmodernem und vordigitalem Zeitalter deutlich sichtbar wird. Um jungen Menschen rund um die Welt Chancen auf eine digitale Bildung zu geben, bereitet Labdoo ausgediente Laptops auf. Freiwillige verteilt sie auf der ganzen Welt. Michael und seine Freundin luden gleich 20 Laptops für eine Schule in Marokko in die ZOE. Beinahe wäre der gute Zweck aber am marokkanischen Zoll gescheitert.

Bleibt die Frage, welche Regionen der Welt es noch mit dem Elektroauto zu entdecken gibt und wo wirklich das letzte Abenteuer wartet.

Plug-In-Hybride sind besser als ihr Ruf

Während manche Elektroautopuristen bei Plug-In-Hybriden (PHEV) abfällig das Gesicht verziehen, hat die Technik mehr Berechtigung als angenommen. Das ist zumindest das Ergebnis einer gemeinsamen Studie vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie haben die Telemetrie- und Fahrdaten von 49.000 Batterieautos und 73.000 Plug-In-Hybriden ausgewertet. Das Ergebnis ist, dass PHEV mit einer realistischen Reichweite von 60 Kilometern auf die gleiche elektrische Fahrleistung kommen, wie rein elektrische Autos. Durch die kleinere Batterie im PHEV ist der CO2-Rucksack kleiner. Damit sind die PHEV laut der Studie in Sachen Klimaschutz im Vorteil.

Die Forscher sagen aber auch, dass dies nur eine Momentaufnahme sei. Laut der Studie werden die abnehmenden Kohlendioxid-Emissionen während der Batterieproduktion und die zunehmende Verbreitung von Schnellladesäulen diesen Vorteil jedoch in den kommenden Jahren immer mehr in Richtung der reinen Batterieautos verschieben.

Für unsere Moderatoren wirft die Studie aber ein paar Fragen auf. Denn außer dem Opel Ampera bzw. Chevrolet Volt und dem Mitsubishi Outlander PHEV fällt ihnen kein PHEV ein, dass realistisch deutlich über 30 Kilometer elektrische Reichweite kommt. Anhand der Artikel über die Studie, lassen sich hier keine wirklichen Schlussfolgerungen für die beiden ziehen. Daher machen Sie sich erstmal auf die Suche nach der Originalstudie. Wenn jemand weiß, wo es sie gibt bitte gerne in die Kommentare.

Licht am Ende des Abrechnungstunnels

Es mehren sich die Zeichen, dass das Abrechnungschaos in Deutschland bald ein Ende hat und flächendeckend eine Kilowattstunden-basierte Abrechnung eingeführt wird. Wenn alles gut geht, erzählen wir uns vielleicht schon Geschichten von Früher, als Elektroauto aufladen mancherorts nur was für Reiche war. Ob der Aussichten geht mit Jérôme die Phantasie durch und er malt ein paradiesisches Abrechnungsszenario.

Einspruch!

In der vergangenen Folge hat Jana sich ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt und behauptet, dass sich nur Menschen einen neuen Tesla Roadster reservieren, die nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld. Der aus YouTube bekannte Teslamarcus alias Marcus Mayenschein hat sich daraufhin bei den beiden gemeldet und gesagt, dass das so nicht stimmt. Jérôme hatte am Supercharger in Achern die Gelegenheit mit Teslamarcus darüber zu sprechen, warum er sich einen Roadster reserviert hat und nicht in die Kategorie passt, die sich Jana für Roadsterreservierer ausgedacht hat.

Janas Nerven schützen, Bus benützen!

Der Aufreger in dieser Folge sind sogenannte Elterntaxis. Jérôme, der im wirklichen Leben Lehrer ist und Jana, die im wirklichen Leben morgens mit dem Fahrrad an einer Schule vorbeifährt geht dieses Phänomen tierisch auf die Nerven. Und so lässt Jana denn auch kaum ein gutes Haar an Eltern, die ihre Kindern mit dem SUV bis ins Klassenzimmer fahren. Jérôme ist da differenzierter und kann zumindest auf dem Land nachvollziehen, warum Eltern ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen.

Sag mir wo die PHEVs sind, wo sind sie geblieben …

Der Blick auf die Zulassungs- und Umweltbonuszahlen des vergangenen Jahres führt zu einer Gesangseinlage der beiden. Während bei den Zulassungszahlen die reinen Elektroautos hinter den PHEV zurückfallen, wurde fast doppelt so oft für Batterieautos wie für PHEV beantragt. Wie diese krasse Differenz zustande kommt lässt sich aus den puren Zahlen nicht erklären. So bleibt nur Spekulation.

Die gute Nachricht ist, dass 2017 über 25.000 neue Elektroautos und knapp 30.000 PHEV zugelassen wurden. Zulassungskönigin bei den Elektroautos war auch 2017 wieder die Renault ZOE.

  1. Renault ZOE 4.322 (Marktanteil 17,3 %) [2016: 1. 2.807; 24,6 %]
  2. VW Golf 3.026 (Marktanteil 12,1 %) [2016: 5. 860 7,5 %]
  3. Smart Fortwo 2.987 (Marktanteil 11,9 %) [2016: 15. 79 0,7 %]
  4. Kia Soul EV 2.933 (Marktanteil 11,7 %) [2016: 4. 1.384 12,14 %]
  5. BMW i3 (ohne REX) 2.791 (Marktanteil 11,1 %) [2016: 2. 1.521 13,3 %]
  6. Tesla Model S 2.241 (Marktanteil 8,9 %) [2016: 3. 1.474 12,9 %]
  7. Tesla Model X 1.090 Marktanteil (4,4 %) [2016: 9. 430 3,8 %]
  8. VW eUp 1.078 (Marktanteil 4,3 %) [2016: 7. 592 5,2 %]
  9. Hyundai Ioniq 881 (Marktanteil 3,5 %) [2016: 13. 80 0,1 %]
  10. Nissan Leaf 841 (Marktanteil 3,4 %) [2016: 5. 1.121 9,82 %]

Jana hat auf ihrem Twitterkanal wieder alle Zahlen für 2017 grafisch aufbereitet.

Die im Podcast geäußerten Meinungen sind die Meinungen der beiden Moderatoren und spiegeln nicht unbedingt die Position des Vereins Electrify-BW wieder.

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(12) Comments

  1. Anmerkung zur Studie FHI ISI / KIT zum PHEV/EV-Vergleich: ein Großteil der Daten kommt Vermutlich aus den USA, dort wiederum kommt beim PHEV mit 60 km Reichweite nur der Chevy Volt I und II in Frage, der in USA stark vertreten ist. Jetzt fragt sich nur noch, welchen großen Flotten dort dieses Model nutzen (und ein Fahrprofil haben, das die 60 km optimal ausnutzen). Vom GM Volt Forum weiß ich, dass der Volt gerne von Pendlern gefahren wird, die oft um die 60 km zur Arbeit fahren und dabei mit dem Volt einiges an Energiekosten sparen können. In den USA sind die Jahresfahrstrecken übrigens deutlich höher als in Deutschland (22.500 km pro Jahr, wenn ich mich nicht irre) und Lademöglichkeiten beim Arbeitgeber sind in den US EV-Staaten (Kalifornien !) auch schon verbreitet üblich im Vergleich zu D. Die Studie wäre wohl in Deutschland mit den mickrigen Reichweiten und Lademöglichkeiten beim Arbeitgeber deutlich anders ausgefallen bzgl des elektrischen PHEV-Fahranteils (und damit der CO2-Emissionen).

  2. Hallöchen Ihr zwei.
    Ich bin ja soweit mit allem einverstanden in dem Podcast… ABER… Dass es eine gute Idee sein soll, dass jeder Hersteller seinen eigenen Ladestandard entwickelt und den Kunden in sein Ökossystem ‚einschliesst‘ das kann doch nicht euer Ernst sein??
    Man stelle sich vor, man könnte seinen Verbrenner nur an gewissen Tankstellen auftanken. So wird das nie was mit der Elektromobilität.
    Ich kann es mit meiner Zoe zwar nicht nutzen, aber die Zukunft gehört doch ziemlich eideutig CCS, möglichst für alle Autos bitte – auch Tesla wird sich dem nicht verschliessen können (sagt ihr ja selbst…)
    über kurz oder lang werden sie auch ihre Sueprcharger für Autos anderer Hersteller öffnen müssen, um nicht als Aussenseiter dazustehen. Sie könnten ja jetzt, im Sinne ver Ladesäulenverordnung, damit anfangen, die bestehenden Supercharger mit neuen ‚Kombisäulen‘ auszubauen, wo sie dann keinen Gratisstrom mehr anbieten und dafür auch kommerziellen Teslas das Laden ermöglichen. 2 Fliegen mit einer Klappe.

    1. Hallo EVPaddy,

      das war kein Aufruf einen neuen proprietären Ladestecker zu erfinden. Ich wollte damit lediglich ausdrücken, dass sich die Hersteller auch das Geschäftsfeld Ladeinfrastruktur anschauen sollten. Natürlich geht es dabei um CCS. Mein Blick darauf war wohl zu marktradikal. Die Idee war eher: Du kannst dein Auto überall mit CCS oder Typ2 laden, aber richtig schnell geht es nur an den 350 kW Ladesäulen und könnten die Fahrzeughersteller betreiben und so wegfallende Geschäftsmodelle durch die Elektroantrieb kompensieren.

      Du hast in der Folge auch gehört, dass ich den Wettbewerb auf dem Lademarkt kaum erwarten kann. Weil dann die Unzulänglichkeiten von heute hoffentlich der Vergangenheit angehören. Wir werden 2018 sicher viele neue Schnellladeinitativen auf deutscher und europäischer Ebene sehen, die versuchen ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Der Wettlauf um die besten Standorte sollte eigentlich schon begonnen haben. Jetzt müssen die Förderungen nur noch so formuliert werden, dass die Infrastruktur nicht weiter mit der Gießkann in die Landschaft gestellt wird und an Orten, an denen nie eine Elektrofahrzeug zum Laden vorbeikommt verrottet.

      Ich werde in diesem Jahr mit Electrify-BW genau dafür arbeiten.

      Beste Grüße

      Jana

      1. Hi,
        in BW gibt es ja die bestrebung das in einem 10×10 km Raster eine 22kw Ladesäule und in einem 20x20km Raster eine 50kw Schnellader sein soll. Dazu kommt es unweigerlich auch zu Standorten wo nur selten einer lädt.

        Quelle: https://vm.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mvi/intern/Dateien/PDF/F%C3%B6rderprogramme/171229_Anhang_F%C3%B6rderbekanntmachung_SAFE.pdf

        Trotzdem offensichtlichen Gieskannen prinzip ist das meiner Meinung nach eine gute Aktion da es schon eine Art von Sicherheit gibt zu wissen das ich alle 10-20km eine funktionierende Ladesäule finden werde. Da die Betreiber sich verplichten die Säule 6 Jahre zu betreiben. Wie dies sichergestellt wird das diese auch betreiben wird würde mich interressieren.

        Viele Grüsse
        Jürgen

    2. Da TESLA sich auch der Charging Interface Initiative e. V. angeschlossen hat, die das Ziel verfolgt, CCS zu fördern, wird in naher Zukunft auch TESLA Ladesäulen mit CCS anbieten. Ich vermute, daß daran schon entwickelt wird, aber vernünftige, sichere und intelligente Lösungen benötigen auch einiges an Zeit…

  3. Info zu Eurer Verwunderung über den neuen Supercharger in Beelitz: Ich habe mir vorigen Samstag die Baustelle angesehen. Das scheint ein privates Grundstück zu sein und man kann vermuten, daß dort eine Schranke aufgestellt wird, so daß nur Tesla-Fahrer mit einer PIN das Grundstück befahren dürfen und deshalb die LSV dort nicht greift.

  4. Hallo,

    die PHEV-Studie ist hier zu finden: https://www.nature.com/articles/s41598-017-16684-9.pdf

    Es wurden anscheinend 16 verschiedene Modelle untersucht, von denen aber tatsächlich nur drei, nämlich Chevrolet Volt, Opel Ampera und BMW i3 REX, eine reale Reichweite von mindestens 60 km haben. Und diese sind ja eigentlich gar keine PHEV, sondern EREV, also Elektroautos mit Range Extender.

    Freundliche Grüße Michi

  5. Wenn ich in 7 Wochen meinen eGolf habe, dann biete ich euch an, dass ihr ihn mal fahren könnt! 😉 Dann will ich aber hinterher ein Interview für YouTube haben!! 😉
    Viele Grüße
    Andi

  6. Hallo zusammen,
    erst Mal ein großes Lob an Euch, es macht immer Freude Euren Podcast zu hören – weiter so!
    Nun zum PHEV-Thema: in unserem Haushalt stromert seit letzten Jahr auch ein 2012er Ampera rum, den wir mit 115.000 km für unter 14.000€ aus den Niederlanden importiert haben. Für unsere Zwecke genau das richtige Fahrzeug. Die tägliche Pendelstrecke beträgt bei meiner Frau 50km und ein voller Tank reicht für ca. 500km. Damit ist der Ampera auch als alleiniges Familienauto möglich und erschwinglich. Als alternativer PHEV wäre noch der i3 mit REX in Frage gekommen, der einzige PHEV mit einer Reichweite über 100km, den hattet Ihr doch gesucht, oder? Vielleicht wurden ja i3-Flottendaten ausgewertet…

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