Electrify-BW – Der Podcast #29: Stuttgart, Luftkurort

Die Luftmessstation am Neckartor in Stuttgart (Bild: © Jana Höffner).
Die Luftmessstation am Neckartor in Stuttgart (Bild: © Jana Höffner).

Jana und Jérôme diskutieren die Entscheidungen der baden-württembergischen Landesregierung zur Luftreihnaltung in Stuttgart und suchen in Aachen sowie Mannheim nach Alternativen.

 

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Lange hat sich die grün-schwarze Landesregierung Zeit gelassen, Maßnahmen aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Luftreinhaltung abzuleiten. Wie zu erwarten gibt es ab 1. Januar Fahrverbote für Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm 4/IV oder schlechter für das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet. Wenn die Stickstoffoxid-Belastung bis 1. Juli 2019 nicht absehbar unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) Luft sinkt, können auch Dieselfahrzeuge mit Euro 5/V ab 1. Januar 2020 von den Fahrverboten betroffen sein.

Die Entscheidung der Landesregierung um den Grünen Kretschmann kommt dabei wenig überraschend. Das Gericht hat der Landesregierung wenig Spielraum gegeben. Zahlreiche Ausnahmen sollen aber dafür sorgen, dass die Stadt nicht zum erliegen kommt. So sind etwa Handwerker – sofern sie sich an die Selbstverpflichtung zur Flottenerneuerung halten – zunächst unbegrenzt von den Fahrverboten ausgenommen. Für Anwohnerinnen und Anwohner gilt aber nur eine Übergangsfrist bis 1. April 2019. Ab dann dürfen auch sie nicht mehr im Stadtgebiet Stuttgart fahren.

Diesel verbieten und Alternativen schaffen

Gleichzeitig will die Landesregierung weiter den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weiter ausbauen und komfortabler machen. Dafür schafft sie unter anderem einen landesweiten BW-Tarif und will die Ticketpreise senken. Auch moderne Technik soll helfen, den Verkehr in Stuttgart zu verflüssigen und die Staus abzubauen. Was die Maßnahmen am Ende alle bringen, bleibt abzuwarten. Jérôme und Jana sind derweil skeptisch, ob sich die Luft in Stuttgart in absehbarer Zeit verbessert. Denn die Fahrverbote sind mangels Blauer Plakette so gut wie nicht kontrollierbar. Der Bund lässt die Länder und Kommunen mit dem Problem der schlechten Luft also im Regen stehen.

Professor Schuhs nächster Coup

Vielleicht gerade noch pünktlich für die Stuttgarter kommt der e.GO life auf den Markt. e.GO hat vergangene Woche in Aachen das Produktionswerk für den kleinen City-Flitzer eröffnet. Nachdem Professor Schuh Streetscooter an DHL/Deutsche Post verkauft hat, soll der e.GO life nun den Kleinstwagenmarkt revolutionieren. Erste Auslieferungen soll es im Herbst geben. Die Warteliste soll aber bereits prall gefüllt sein. Wie bei anderen Herstellern, wird man sich hier wohl auf längere Lieferzeiten einstellen müssen. Mit einem Einstiegspreis von 16.000 Euro ist der e.GO life auch eine elektrische Alternative für weniger prall gefüllte Geldbeutel. Ein Ersatz für den Familienvan ist der e.GO mit seinen kompakten Ausmaßen und seiner fehlenden Schnellladefähigkeit aber sicher nicht.

Wie ‘ne Straßenbahn, nur ohne Schienen

Eine weitere Abhilfe für abgasgeplagte Innenstädte könnten Stadtbusse mit elektrischen Antriebsstrang sein. Nach langem Zögern der deutschen Hersteller, wagt sich Mercedes-Benz als erster Volumenhersteller mit einem vollelektrischen Stadtbus auf den Markt. Der eCitaro soll mindestens 150 Kilometer weit kommen und im Idealfall sogar bis zu 250 Kilometer schaffen. Für viele Linien in Deutschland ist er damit schon jetzt eine Alternative. Vor allen in Stuttgart, wo es einige kurze Linien in den Vororten gibt, die als reine U-Bahn-Zubringer sehr kurze Routen haben.

Sinnvolles Zwischenladen wird es beim eCitaro vorerst nicht geben. Der CCS-Anschluss soll die 243 Kilowattstunden-Batterie über Nacht im Depot wieder aufladen. Ein Dachstromabnehmer für das sogenannte Opportunity Charging (deutsch Gelegenheits-Laden) an Haltestellen ist aber bereits in Planung. Für 2020 ist auch eine 330 Kilowattstunden-Batterie in Planung, die den Aktionsradius des eCitaro auf mindestens 200 Kilometer verlängern soll. Ab Herbst soll der eCitaro als Serienfahrzeug vom Band laufen. Bleibt zu hoffen, dass Mercedes-Benz mit dem eCitaro den Nerv der Busunternehmen und Stadtwerke trifft. Dann könnte das Röhren der anfahrenden Dieselbusse vielleicht schon bald ein aussterbendes Geräusch sein.

Auch MAN will auf der IAA Nutzfahrzeuge im Herbst einen vollelektrischen Stadtbus vorstellen. Der Bedarf ist jedenfalls groß, denn neben Berlin, Hamburg, Wiesbaden und Mannheim haben auch schon weitere Städte ihr Interesse an vollelektrischen Bussen bekundet. Dafür muss dem eCitaro Solobus auch alsbald eine Gelenkbusvariante folgen. Dazu hat Daimler aber noch nichts verlauten lassen.

Weitere Themen der Sendung sind die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr 2018, Seilbahnen in Stuttgart und Jérôme gibt eine Zwischenstandsmeldung zum eMobil-Treffen in Horb im September.

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(2) Kommentare

  1. Die Argumentation die ihr gegenüber der Wasserstoffposition gebracht habt ist genau die Art von Diskussion die zur Eskalation führt und die ihr kritisiert habt. Ihr wollt die Gegenseite überzeugen und nicht eine offene Diskussion führen.
    Ein Beispiel von eurem Argument mit Daimler nur 5 Jahre in die Vergangenheit verlagert:
    Daimler (2013) investiert in die Verbrennnungstechnologie und nicht in die Elektrotechnologie also kann die Elektrotechnologie keine gute Technologie sein.

  2. Es is ja schön und gut, wenn ihr Verständnis für die Handwerker habt, die „nicht einfach so ein neues Fahrzeug kaufen können“. Allerdings ist das aus meiner Sicht viel zu kurz gesprungen. Denn erstens berechnen Handwerker jede Fahrt mit dem Fahrzeug ggü. dem Kunden (und meist nicht zu knapp). Die Bezahlung der Fahrzeuge ist also IMHO garnicht das Problem der Handwerker. Zweitens können Sie die Kosten als Betriebsausgaben geltend machen. Und drittens ins Leasing für Gewerbetreibende relativ günstig verglichen mit den Leasingraten für Privatpersonen. Umgekehrt ist es für Privatpersonen ungleich aufwendiger, mal eben ein neues Fahrzeug zu kaufen. Die können weder die Kosten irgendwo absetzen noch haben sie Einnahmen, die sie dagegenrechnen können (außer Pendlerpauschale…).

    U.

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