Electrify-BW – Der Podcast #37: Was ist der Strom wert?

Ein Nissan eNV-200 an einer Schnellladesäule (Bild: © Jana Höffner).
Ein Nissan eNV-200 an einer Schnellladesäule (Bild: © Jana Höffner).

Ab 1. März gilt bei der EnBW ein neues Preismodell. Die EnBW berechnet Ladevorgänge dann nach Kilowattstunden. Das sorgt für Lob aber auch Kritik. Wir haben mit der EnBW darüber gesprochen.

 

Für einige wirkt es wir das Ende einer jahrelangen Debatte, andere sehen in dem neuen Preismodell den Untergang der Elektromobilität.

Die EnBW stand jahrelang wegen ihrer Preispolitik an der Ladesäule in der Kritik. Denn statt des geladenen Stroms, zahlte man für die Standzeit an der Ladesäule. Da verschiedene Typen von Elektrofahrzeugen in der gleichen Zeit aber unterschiedlich viel Strom laden konnten, war das Preismodell unfair. Um herauszufinden, was Strom für 100 Kilometer mit dem eigenen Elektroauto kosten, brauchte es einiges an Kopfrechnen – der Tarif war also auch intransparent. Zumal die Kosten auch weiterliefen, wenn das Auto schon vollgeladen war. Gerade für Laternenparker waren die EnBW-Ladesäulen so unbrauchbar.

Jetzt hat sich die EnBW also von diesem Tarifchaos verabschiedet und es gibt fortan nur noch zwei Preise. Einen für das Laden mit Wechselstrom und einen für das Schnellladen mit Gleichstrom. Für Kund*innen, die 4,99 Euro Grundgebühr im Monat zahlen ist die Kilowattstunde jeweils zehn Cent günstiger. Eigentlich eine gute Sache, oder?

Was kostet eine Ladesäule?

Im Internet musste die EnBW aber viel Kritik einstecken. Die Preise seien reiner Wucher, so viele Kommentatorinnen. Andere posteten Videos davon, wie sie die EnBW Mobility+ App von ihrem Handy löschten. Wir haben daher die EnBW eingeladen, sich in unserem Podcast der Kritik zu stellen.

Christoph Ulusoy ist Produktmanager Emobilität bei der EnBW in Karlsruhe. Jana hat mit ihm über die neuen Tarife und die Kritik gesprochen. Beim Thema Grundgebühr kündigte Ulusoy im Interview eine Verbesserung an. Wer zu Hause EnBW-Kund*in ist, für den entfällt die Grundgebühr für den Vielladertarif. Damit gibt es unterwegs Strom an Wechselstrom-Ladesäulen für nur wenige Cent mehr als aus der heimischen Steckdose.

Christoph Ulusoy erklärte auch, warum Strom aus einer Schnellladesäule teurer ist und was die EnBW unternimmt, um längere Störungszeiten an den Ladesäulen künftig zu vermeiden.
Unter dem Strich, sind die neuen Tarife der EnBW also gar nicht so schlecht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man auch daheim die Investition in die Ladeinfrastruktur mit einrechnen muss, wie Marcel vom Cleanelectric-Podcast auf Twitter vorrechnet:


Zudem steht jedem frei, mit Maingau oder Telekom einen anderen Mobility Service Provider (MSP) zu wählen. Und neue Wettbewerber bringen auch sicher noch in Sachen Strompreis neue Bewegung in den Markt.

Ob die Ladesäule wirklich die Cashcow sein muss, hat Jana gerade für einen Artikel auf emobly.de diskutiert. Auch wäre denkbar, dass der Bund hier die Elektromobilität vielleicht besser fördern könnte, indem er den Strom an Ladesäulen von gewissen Abgaben befreit.

Und hier noch der im Podcast versprochene Tweet mit den Details zu den Zulassungszahlen im Januar

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Disclaimer: Die im Podcast geäußerten Meinungen und Ansichten müssen nicht unbedingt mit denen des Vereins Electrify-BW e.V. übereinstimmen.

(5) Kommentare

  1. Es klingt immer so einfach, wenn gesagt wird, dass an einer Ladestation tagsüber ein Zeitlimit gelten soll und die Nacht durch geparkt werden kann. Die Nacht ist aber nicht für jeden zur gleichen Zeit beendet. Schichtarbeiter freuen sich über solche Regelungen wohl eher nicht.

  2. Im Januar 2019 sind die Zulassungszahlen von PHEV´s zwar rückläufig gewesen, aber ich mache mir trotzdem Sorgen, dass BEV´s und PHEV´s an öffentlichen Ladesäulen gleichwertig behandelt werden. Meine Erfahrung mit PHEV-Fahrer/innen bzgl. der Toleranz an Ladesäulen ist eher schlecht. Für PHEV´s ist eine Ladesäule nur ein günstiger Parkplatz. Ein BEV braucht diese aber essentiell.
    Mir ist bewußt, dass es kurzfristig keine Lösung geben kann und langfristig sich das Problem wegen weiteren Ladesäulen und abnehmenden PHEV-Anteil in der Neu-Zulassung nicht als kritisch angesehen wird. Mittelfristig müssen öffentliche Ladesäulen für PHEVs unattraktiv gemacht werden. Vielleicht kann das bei den Tarif-Diskussionen mi der EnBW ja irgndwie berücksichtigt werden.

  3. Mich schockiert die aktuelle Episode einigermaßen und auch die Positionierung von electrifybw zu den enBW-Tarifen allgemein.

    Als erstes schockiert mich die polemische „da sind wohl einige von den kostenlosen Ladesäulen verwöhnt“ (sinngemäß) Aussage von Jerome.
    Ich kenne niemanden, der allen Ernstes erwartet, den Strom kostenlos zu erhalten.
    Aber zwischen 0 Cent und 49 Cent/kWh ist ein verdammt breiter Bereich. Hier so schwarz-weiß zu denken, ist ziemlich eindimensional.

    Und die Argumentation gegen Leute, die an AC-Säulen parken, ist auch eher gestrig. Statt hier auf einen konsequenten Ausbau zu drängen, sollen die Leute möglichst bald umparken.
    Das mag in einigen Fällen funktionieren. In vielen Fällen ist das aber Unsinn und völlig unpraktikabel. Ein paar Beispiele, damit es greifbar wird:
    1. Ich fahre mit Junior ins Schwimmbad. Jetzt habe ich die Wahl: Laden und nach einer Stunde raus, weil mein Auto voll ist und die Strafgebühr tickt oder ich abgeschleppt werden könnte – oder nicht laden. Nach Belieben auch durch ein Konzert- oder Kinobesuch bzw. ähnliche Aktivitäten ersetzen. Eine Hochzeit und ein Geburtstag werden auch sehr entspannt, wenn man dabei auf die Uhr starren muss …
    2. Ich fahre nach München zu einer Schulung. Ich stelle mich an die Ladesäule, damit das Auto für die Rückfahrt wieder voll ist. Nach 4 Stunden läuft die Parkzeit ab. Und jetzt? Mal fix aus der Schulung rennen und hastig einen Parkplatz suchen?
    3. Ich komme nachts um 23 Uhr von einer Dienstreise zurück, stelle mein fast leeres Auto an die Ladesäule und muss dann morgens früh um 8 Uhr raushetzen, weil die Parkgebühr mich sonst auffrisst. Das Auto ist zwar noch nicht voll und ich würde gern noch mein Frühstück in Ruhe essen – aber 5 € pro Stunde sind schon heftig. Ein 15 €-Ticket noch mehr.
    4. Das gleiche Szenario unter 3. gern auch mal mit einem Schichtarbeiter durchspielen, der um 14 Uhr nach Hause kommt …

    (Diese Liste lässt sich fast beliebig um zahllose Alltagsszenarien erweitern.)

    Die Forderungen sowohl nach Parkzeitbegrenzung als auch nach Standgebühr sind völlig an der Praxis vorbei.
    Hier hinkt auch der Vergleich mit den SuperChargern, da die eine völlig andere Aufgabe haben.

    Eigentlich sollte der konsequente Ausbau von Destination Chargern die richtige Schlussfolgerung sein, gern auch mit weniger als 22 kW.

    Und auch die Preisthematik ist komplett an der Praxis vorbei.
    Es ist nunmal ein Fakt, dass nördlich von 30-35 Cent/kWh der Diesel günstiger als ein Elektroauto wird. Das liegt u.a. auch daran, dass auf Strom enorm viele Steuern und Abgaben anfallen.
    Hier wäre die richtige Konsequenz, den Gesetzgeber aufzufordern, die Politik entsprechend anzupassen. Aber (sinngemäß) mit „ist halt so, also finden wir die enBW-Preise gut“ zu argumentieren ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich keine Tesla leisten können und auf öffentliche Ladungen an gewiesen sind.
    Natürlich ist das eine Behinderung der Elektromobilität.

    Auch der Hinweis von Jana „man kann ja zur Konkurrenz gehen“ ist an der Realität vorbei. In vielen Gebieten existiert keine Konkurrenz, weil enBW dort ein quasi-Monopol hat und andere Ladesäulen in sinnvollen Entfernung überhaupt nicht existieren.

    Hier muss man auch zwischen CPO und EMP unterschieden. Es hilft herzlich wenig, auf andere EMP wie Maingau oder Ladestrom zu verweisen, weil diese trotzdem die hohen Kosten an den CPO enBW abdrücken müssen. Das ist kein nachhaltiges Modell und allenfalls eine Quersubventionierung von enBW zu Lasten von Anbietern, die kundenfreundlichere Preise verlangen.
    In Regensburg nimmt die REWAG an ihren eigenen Ladesäulen 25,x Cent/kWh. Das sind Preise, die sich ein Normalsterblicher leisten kann.
    Natürlich wird man davon in 3 Jahren nicht die Investitionskosten einspielen und Gewinn erwirtschaften können.
    Das wird man aber auch nicht können, wenn man durch hohe Preise die Elektromobilität abwürgt. Und Preise >35 Cent/kWh tun das.

  4. Also zuerstmal muss ich euch sagen das mir die Folge recht gut gefallen hat. Ich finde auch die neuen Tarife der EnBW mehr wie fair. Wer sich schonmal mit einer kostenrechnung was so eine Ladesäule kostet in der Anschaffung und im Unterhalt der weiß das man bei diesen Preis nicht rummaulen kann.
    Das Thema Ladesäulen freiräumen finde ich schwierig aber prinzipiell wird wohl auch im Sinner aller Elektroautofahrer kein Weg daran vorbeiführen das dieses Ausnutzen von fairen kwh basierten Tarifen durch dauerparken nicht stattfindet. Meiner Meinung nach sollte man an Ladesäulen auch immer die gleichen ortsüblichen Parkpreise zahlen wie sie alle anderen Autos auch bezahlen müssen das würde schon mal die Begehrlichkeit diese Ladeplatz als Parkplatz zu benutzen reduzieren. Eine Lösung die versucht es allen recht zu machen wird immer extrem schwierig werden weil für jede Regel z.B. Nachts frei finde sich wieder ein Sonderfall Schichtarbeiter.
    Die Beispiele des Users passen meiner Meinung nach nicht zu ENBW Ladesäulen da diese keine Destination Charger sind. Diese sollen doch gefälligst die Schwimmbäder, Hotels, Kinos, usw. selbst aufgebaut werden. Meiner Meinung nach sollten solche Ladesäulen auch bewusst ein wenig teurer sein als die Ladung bei mir zuhause damit die Leute auch animiert werden zuhause zu laden und sich da auch eine Lademöglichkeit zu schaffen. Für Leute ohne eigenen Stellplatz sehe ich so Lösungen wie sie ubitricity anbietet ein gangbarer weg. Wer einen Ladeplatz will soll sich bei der gemeinte melden die stellt ihn auf und beteiligt den anfragenden an den kosten dafür.
    Zu dem Argument dann ist das Fahren mit Strom Teuer als Diesel da sehe ich auch den Gesetzgebe ein wenig in der Pflicht. Das Netzentgelt ist ein Selbstbedienungsladen und die EEG Umlage könnte man auch wesentlich gerechter verteilen z.B. nicht nur die kleinen Stromkunden könnten diese bezahlen sondern auch auf Öl und Gas, Pellets und auch auf Stromgrossverbraucher könnte man diese umlegen. Kann ja mal jemand ausrechnen wo wir da landen würde da auf ~0,5cent statt ~6cent würde ich tippen.

  5. Zur Ladeproblematik sehe ich vor allem unsere Verbrenner-Gewohnheiten als Ursache.
    Wir unterscheiden immer noch zwischen Laden und Parken.
    Leider sind Tesla-Fahrer da auch auf einem Auge blind.
    Meiner Erfahrung nach möchte ich lieber einen Parkplatz mit Steckdose, als einen Ladeplatz, den ich verlassen muss (um mir dann einen Parkplatz zu suchen).
    Warum scheuen sich so viele Gemeinden, Schukodosen an Parkplätzen anzubieten (wo technisch möglich) und den Strom zu verschenken? Bevor die schnellen Ladesäulen bezahlt sind, verdient man doch mehr Geld mit gerechteren Parkgebühren, dafür einer Ladebuchse die kaum kostet, stabil und ohne Softwareprobleme läuft. Mit dem Aufwand für Bezahlsystem, Leistungsbemessung, Zeitmodellen und jeweiligen Tarifen, den Kontrollen und erst recht den Ausfällen/Reparaturen wird das aktuelle System NIE rentabel.
    Kann nur für München sprechen: Parkgebühren (im Durchschnitt 2€/h, teils günstige 6€/24h, teils 28€/24h) muss ich ohnehin bezahlen, aktuell ist für Autos mit E-Kennzeichen 2 Std. kostenloses Parken im Angebot. Ich hätte mehr davon, wenn ich einen Parkplatz nutze, ihn auch gerecht bezahle, dafür mein Fahrzeug pro Stunde 10 km Reichweite bekommt.
    Über Nacht bekommt man die klassischen 100km Pendlerweg IMMER ins Auto.
    Seit 2018 werden hier Ladesäulen gebaut. Dort stehen aktuell meist Hybrid-SUV oder Teslas über Nacht, weil die dicken Autos abends keinen Platz in den Parklücken mehr finden. Jeder andere, der nachts laden MUSS, hat ein Problem.
    Gerade die Angebote wie Schwimmbad, Kultur, etc. könnten in Parkhäusern, Tiefgaragen oder eigenen Parkflächen kostenlose Schukodosen installieren. Dort können dann auch endlich Fahrzeuge laden, die keinen Typ2-Stecker nutzen.
    Wer dann immer noch sagt, er möchte die 100km mit 150kw laden und danach einen Parkplatz suchen, kann das ja gerne für 50€ machen.

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