Vortrag der EnBW zu Ladeinfrafstruktur bei Electrify BW e.V.
Vortrag der EnBW zu Ladeinfrafstruktur bei Electrify BW e.V.

Im Mai war die EnBW bei uns zu Gast und berichtete von ihren Erfahrungen beim Betrieb der Ladeinfrastuktur.

Viele haben den Maitermin gespannt erwartet, so war dann auch dieses Mal die Mäulesmühle wieder gut gefüllt. Denn die EnBW und damit der größte Infrastrukturanbieter der Region stellte sich in der Mäulesmühle den Elektromobilisten. Zum einen hat die EnBW mit 380 Ladestationen in Baden-Württemberg ein großes Netz an Lademöglichkeiten geschaffen, zum anderen hat sie mit ihrem Abrechnungsmodell viel Unmut auf sich gezogen. Der kurze Vortrag über die EnBW, die sich vom Energieversorger immer mehr zum Energiedienstleister entwickelt, ging schnell in eine angeregte und teils hitzige Diskussion über.

Die EnBW rechnet Ladevorgänge nach Zeit ab. Dabei war es bisher egal, mit welcher Leistung ein Fahrzeug an der Typ2-Steckdose der Säule lud. Vertragskunden zahlten zwei, Prepaidkunden fünf Euro pro Stunde. Und zwar so lange, bis das Auto wieder abgesteckt wurde. Das hat bei manchen Kunden zu bösen Überraschungen auf der Rechnung geführt. Bei einem Auto mit nur 3,7 Kilowatt Bordladegerät konnte so eine volle Ladung bis zu 30 Euro kosten. Selbst mit 7,4 Kilowatt Ladeleistung kostete die volle Ladung noch 15 Euro. Allein Autos die mit 22 Kilowatt laden können, zahlen einen Schnäppchenpreis für die Vollladung.

Nachdem auch in den Medien Kritik an diesem Abrechnungsmodell laut wurde, hat sich die EnBW entschieden, die Tarife anzupassen. Jedoch nur für Kunden mit einer Vertragskarte. Dies kostet jetzt mit 7,90 Euro zwei Euro weniger Grundgebühr im Monat. Laden an der Schuko-Steckdose der Ladesäule kostet dann 0,60 Euro die Stunde. Typ 2 mit weniger als fünf Kilowatt Ladeleistung 1,20 Euro pro Stunde und darüber drei Euro die Stunde. Pech für die Nissan-, BMW- und Kia-Fahrer die mit sechs bis sieben Kilowatt laden können. Glücklich sind die ZOE-Fahrer mit ihren serienmäßigen 22 Kilowatt-Ladegeräten. Aber auch nach dem das Fahrzeug den Ladevorgang beendet hat, läuft die Uhr und damit die Gebühren weiter. Für Prepaid-Kunden bleibt es vorerst bei fünf Euro pro Stunde an Typ 2 – unabhängig von der Ladeleistung des Fahrzeugs. Kunden die Fahrzeuge fahren, die nur mit 3,7 Kilowatt laden können sind also gut beraten, an den mit zwei Euro wesentlich günstigeren Schuko-Dose der Ladesäule zu laden. Wer sein Fahrzeug nicht direkt nach dem Ende des Ladens umparken kann, sollte einen weiten Bogen um die EnBW-Säulen machen.

Gründe für die Zeitabrechnung

Die EnBW gibt drei Gründe für das komplizierte Abrechnungssystem an. Als erstes sei dem Kunden Zeit besser zu vermitteln als Kilowattstunden. Dann führen sie das Eichrecht auf. Als die Säulen aufgestellt wurden, war dies in Baden-Württemberg so streng, das ein Verkauf nach Kilowattstunden nicht zu realisieren gewesen sei. Und letztlich möchte die EnBW gerne irgendwann mit den Ladesäulen Geld verdienen. Und dafür müssen sie möglichst verfügbar sein. Autos die nach Ladenende nicht direkt umgeparkt werden, blockieren die Säule für weiteren Umsatz und andere Kunden. Der Vorschlag den Ladevorgang nach Kilowattstunden abzurechnen und an Hotspots eine Höchstparkdauer festzulegen lehnten die Referenten als zu kompliziert ab.

Kritik gab es auch an der Grundgebühr – die auch EnBW-Kunden für die Ladekarte zahlen müssen. Da es verschiedene Anbieter mit Grundgebühr gibt kommen so im Monat einige Euro zusammen, ohne auch nur eine einzige Kilowattstunde bzw. Minute geladen zu haben. Auch in Sachen Roaming läuft noch nicht alles rund. Hier gibt es Probleme mit der Kompatibilität der RFID-Karten, der Zugangssysteme und Abrechnung.

Die Referenten berichteten in ihrem Vortrag davon, dass die Säulen eine Verfügbarkeit von 98 Prozent hätten. Dies traf im Podium teilweise auf Unglauben. Und wenn die Säule mal nicht funktioniere, sei die Hotline meistens hilf- bis ahnungslos, so die Stimmern einiger Zuhörer.

Bereit zum Dialog

Enttäuschend für manchen Zuhörer war auch, dass es seitens der Referenten nur einen Bericht über den Ist-Zustand gab und selbst auf Nachfrage die Referenten sich nicht zu künftigen Projekten oder den Problemen beim SLAM-Projekt äußern wollten.

Bei aller Kritik gab es auch Lob für die Anstrengungen der EnBW in Sachen Elektromobilität. Obwohl mittelfristig wohl kein Geld mit den Ladesäulen zu verdienen ist, engagiert sich der Karlsruher Energieversorger auf dem Gebiet. Auch nahmen die Referenten die Kritikpunkte auf und versprachen in den meisten Dingen Besserung. Nur beim Abrechnungsmodell ist wohl kein Kurswechsel der EnBW zu erwarten. Hier lässt man wohl lieber die Säulen leerstehen, als Laternenparkern eine faire Abrechnung zu ermöglichen, ohne dass sie nachts um drei aus dem Bett springen und ihr Auto umparken müssen.

Aber die Referenten versprachen auch, mit dem Verein in Kontakt zu bleiben und regelmäßig zu Veranstaltungen zu kommen. Wir bleiben dran.

Bildergalerie

wie immer mit Dank an Thomas Igler

[flickr_set id=“72157653151012651″ max_num_photos=“32″]

 

(6) Kommentare

  1. Wie die EnBW ihre Preise gestalten ist mir erstmal herzlich egal. Wichtig ist, dass die Säulen zuverlässig funktionieren – auch im Roaming.

    Wenn die Preise nicht akzeptabel sind, dann wird das die EnBW schnell merken und das entsprechend anpassen (müssen). ich denke das regelt der Markt früher oder später recht gut.

    Ansonsten gilt (vor allem für Elektromobilisten): Wenn man’s selber besser machen kann los. Je mehr Leute es schaffen eine günstige oder kostenfreie Ladestation (z.B. P&C) aufzustellen, desto besser.

    Elektromobilität heisst eben nicht nur Unabhängigkeit vom Öl, sondern im Extrem auch von allen Anbietern – der Strom kommt aus der Dose!

  2. Trotz der teils berechtigten Kritik bzgl. Service-Rufnummer großen Anerkennung an die EnBW für Ihr Engagement und Vorreiterrolle in der Region…

  3. Danke für den netten Bericht über diesen auch für uns aufschlussreichen Abend, aus dem wir einige wichtige Anregungen mitgenommen haben.

    Wir möchten allerdings an einer Stelle etwas richtigstellen. So heißt es in dem Artikel „Hier lässt man wohl lieber die Säulen leerstehen, als Laternenparkern eine faire Abrechnung zu ermöglichen, ohne dass sie nachts um drei aus dem Bett springen und ihr Auto umparken müssen.“

    Für ein derartiges Lade/Parkverhalten haben wir allerdings eine sehr preisgünstige Option: Die „Viellader-Option“ kann bei Bestellung der Vertrags-Ladekarte zugebucht werden. Dann werden ab der 5. Anschlussstunde nur noch 30 Cent pro Stunde fällig. Uns scheint, dass die Vielladeroption dem entspricht, was im Text als „faire Abrechnung“ eingefordert wird.

    Als weitere Infos verweisen wir noch mal auf unseren Infoflyer zu den Elektronauten Ladekarten der EnBW https://www.enbw.com/media/privatkunden/docs/flyer-prepaid-ladekarte-5112-02_l.pdf

    1. Hallo Herr Staus,
      vielen Dank für die Ergänzung. Ich persönlich stehe dem Zeittarif jedoch weiter kritisch gegenüber. Da er sich in den meisten Fällen als unpraktisch erweist. Denn nicht immer ist es möglich, dass Fahrzeug nach Ende des Ladevorgangs direkt umzuparken (Kinobesuch, Arzttermin, Besprechung, Park and Ride etc.). Daher plädiere ich auch weiterhin für einen kWh-basierten Tarif. Das Parken an den Ladesäulen ließe sich mit einer Höchstparkdauer (Parkscheibe, zusätzlicher Stundentarif nach Zeit X) vermeiden.
      Aus der Praxis kann ich Ihnen berichten, dass abgesehen von den Car2go an Ladesäulen parkende E-Fahrzeuge das kleinere Problem sind. Das lässt sich zudem oft mit einem freundlichen Hinweis an der Windschutzscheibe beheben. Vielmehr leiden wir unter Verbrennerfahzeugen die vor Ladesäulen parken und gar nichts zahlen.
      Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang auch nochmal auf folgenden Artikel hinweisen: http://zoepionierin.de/zahlen-bitte-aber-wie/
      Beste Grüße
      Jana Höffner

      1. Hallo Frau Höffner,

        vielen Dank für ihren Vorschlag. Wir verstehen die versch. Anwendungsfälle, die Sie schildern. Das Thema wurde ja hitzig bei der Veranstaltung diskutiert (Film folgt die nächsten Tage auf https://www.facebook.com/enbw.elektronauten).

        Es ist allerdings so, dass Kombitarife oder reine verbrauchsabhängige Tarife keine Anreize schaffen, den Wagen nach dem Ladevorgang wegzufahren, um den Ladepunkt für das nächste EV freizumachen. Wir haben bereits heute schon an vielen Hotspots die Situation, dass diese mit sehr vielen Ladevorgängen extrem stark frequentiert sind. Und das obwohl die Emobilität bekanntermaßen immer noch in den „Kinderschuhen“ steckt – letztes Jahr wurden in BaWü nur etwas mehr als 1800 EVs neu zugelassen. In der Konsequenz müsste man bereits jetzt schon darüber nachdenken, einen Tarif nach Zonen einführen, der die Komplexität jedoch weiter erhöhen würde.

        De facto haben wir mit der Viellader-Option ein Angebot auf dem Markt das nicht weit entfernt ist von dem geforderten Kombitarif und ab der 5. Stunde mit 30ct/h günstiger sein kann als der Stromvertrag zu Hause. Und zwar in dem Fall, wenn man mehr als 1 KW/h lädt.

        Wenn man also mit bedacht lädt, und das sollte man tun – denn mit einem Verbrenner fährt man in der Regel auch nicht mit einem 3/4 vollen Tank an eine Tankstelle, sondern mit einem 1/4 vollen Tank -, kann auch ein Laternenparker sehr günstig laden.

        Beispiel: Kosten für Laternenparker mit Schuko laden. Ladezeit 12 h über Nacht
        1. Erste 4 Stunden: 2,40 EUR (4x 0,60/h)
        2. Ab 5. Stunde: 2,40 EUR (8x 0,30/h)
        3. Summe für 12 h laden= 4,80 EUR

        Für einen 3/4 Tank – bei der aktuell am meisten verbreiteten Fahrzeuglandschaft wären das ca. 15 KW – kommt der Laternenparker auf 32 ct je KW. Also unwesentlich teurer als der Strom zuhause.

        Beste Grüße, EnBW Elektronauten

  4. Ich wollte mir einen Opel Ampera oder nissan leaf kaufen, habe aber keine Garage mit Steckdose.
    Dank 500 enbw säulen zog ich das trotzdem in betracht.

    Diese laden jedoch nur mit 10A an schuko, im falle des Ampera bedeutet das 6 Stunden Laden und 9-10€ Bezahlen. Also zahle ich für 100 km 12€…

    Die ENBW hat sogar schon Säulen OHNE schuko, da müsste ich dann mit einem Typ2->Typ1 kabel 30€ Bezahlen. Macht fast 40€ für 100km!!!

    Es ist vermutlich Politisch gewollt dass in Mercedes-City niemand diese Säulen nutzt, sowieso parkt meistens Verbrenner die säule zu. In Sindelfingen gibt es eh kaum welche.

    für 40€ bekomme ich 30 liter Sprit und könnte mit einen alten Jeep cherokee mit 5,9 Liter HEMI V8 fein in der innenstadt rausballern. In Stuttgart passend zum feinstaubalarm. und das wäre genau so teuer…

    warum also elektrisch fahren wenn es bis zu 10x so teuer ist?

    wer soll so diese säulen jemals benutzen?

    Und nein selbst als benzinfahrer kann ich in kwh rechnen. wenn dann eine gro0zügig aufgeschalgen 35cent kostet würde die enbw immer noch verdienen und es würde sich lohnen, aber man kann und will in deutschland nicht.

    sehr schade

Schreibe einen Kommentar